Black Pearl

Hier ist Käpt´n Jack Sparrow vom sinkenden Schiff gestiegen und hier liegen wir nun entspannt vor Anker! An der Ostküste von St. Vincent in der Bucht von Wallilabou haben wir die Reste der Filmkulisse des Dorfes vor uns und die traumhaften Ausblicke auf Bucht, Berge und Urwald in unveränderter Schönheit daneben. Wir liegen eingerahmt von der „Wildest Dreams“, dem Boot von dem einbeinigen Amerikaner Rafael (schon fast ein echter Pirat) und seiner Familie sowie einem französischen Boot. Beglückt werden wir von einheimischen Männern, die auf Surfbrettern, Schlauchbooten und Holzbooten zu uns kommen und uns Mangos, Bananen, Fisch und vereinzelt auch eine Ausflugstour anbieten. Viel ist es nicht, was sie anzubieten haben, die Insel ist arm, die Bewohner haben nicht viel. Oder auch sehr viel, wenn man die traumhafte, üppige und fruchtbare Natur betrachtet. Dieser Natur Infrastruktur und Zivilisation abzutrotzen erscheint in Anbetracht von deren Üppigkeit und heftigen Regengüssen und Stürmen eine wirkliche Herausforderung.

nach dem Regen :-))

Ja, so langsam sind wir angekommen! St. Vincent bringt ein anderes Lebensgefühl mit sich und für uns ist damit auch die Zeit des Organisierens und Reparierens erst einmal vorbei. In Martinique hatten wir einen vorläufigen Tiefpunkt, als unser Dinghi einen neuen Besitzer gefunden hat. Ihr erinnert euch sicher an die Vorgeschichte des Dingis und den damit verbunden Aufwand. Nun haben wir es über den Ozean getragen und nun das. Ein neues Dingi in der Karibik aufzutreiben ist ungleich schwieriger als zu hause, vor allem, wenn mann nicht einfach astronomische Beträge auf den Tisch eines Schlauchboothändlers legen kann. Also habe ich meinen Beruf als Einkäufer wieder aufgenommen und alle Möglichkeiten des Neu- und Gebrauchtmarktes in Martinique und St. Lucia untersucht bis wir nach einigen Enttäuschungen und Überraschungen doch fündig geworden sind. Das hat allerdings zwei Wochen gekostet, in denen wir entweder abhängig waren von Rafaels Dingi oder Taxidienste von anderen Seglern erbitten mussten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie groß unsere Erleichterung war, als auch dieses Kapitel hinter uns lag und wir uns in Richtung St. Vincent und die Grenadinen aufgemacht haben.

Bei uns ist Peter, mit dem wir schon einige Male in Kroatien gesegelt sind und der nun den Unterschied zwischen Full-Service-Chartersegeln und dem „ich kümmere mich um-mein Boot in der Karibik “ hautnah miterlebt. Aber eben auch atemberaubende Ausblicke auf den Regenwald der Vulkaninseln, bunte Fische und Korallen bei 30° Wassertemperatur, Segeln mit Passatwinden. Ja, es geht uns gut! Gestern hatten wir einen Filmabend – den ersten Film, den ich seid 6 Monaten gesehen habe! Piraten der Karibik Teil 1 in der Bucht, in der dieser gedreht wurde! Das Originalmeeresrauschen im Hintergrund, wenn ich am Notebookmonitor vorbeischaue sehe ich die „echte“ Insel – das ist Wahnsinn! Zusammen mit der Crew der „Wildest Dreams“ waren wir mit 10 Personen in unserem Cockpit, großes Karibik-Kino!

Eigentlich hatten wir geplant, Peter und Teile der Nachbarcrew nach Martinique zu bringen, wo sie Ihre Flüge erreichen können. Es stellte sich nämlich heraus, dass zwischen den südlichen Antillen spärlicher bis kein Fährverkehr besteht. Nun ist Wind bis 35kn angesagt und dazu 3m Welle. Das kann man segeln, wenn es sein muss aber nicht, wenn es andere Lösungen gibt. So haben Peter und Christoph in den sauren Apfel gebissen und teure Flüge von St. Vincent nach Martinique gebucht. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar und mir fällt ein dicker Stein vom Herzen, da diese Tour doch 2 Tage und 2 Nächte Segeln bei wirklich heftigen Bedingungen bedeutet hätte.

Planen ist generell schwierig und wir verwerfen weit mehr Pläne, als das wir sie umsetzen. Irgendwie dauert doch immer alles länger, geht langsamer oder auch gar nicht. Wir gewöhnen uns langsam dran und wenn man nicht zu irgendeinem Zeitpunkt irgendwo sein muss ist es ja auch ein bisschen egal.

Wie immer hoffe ich, dass Caro Bilder zu diesem Beitrag lädt oder Peter, der viele tolle Bilder macht. Ich hatte eine lange Pause im Schreiben, auch, weil es uns nach dem Dingi-Desaster nicht wirklich gut ging und es mir anfing unangenehm zu werden, in leicht depressiven Ton aus der Karibik zu schreiben. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt in einer anderen Stimmung schreiben kann. Wenn ihr wollt, kann ich auch wieder versuchen regelmäßiger in einer Art Tagebuch-Stil zu schreiben, allerdings ist es jetzt weit weniger aufregend, als während der Überfahrt. Schreibt mir, wenn ihr das wollt. Bis dahin liebe Grüße an euch alle!

7 Antworten auf „Black Pearl“

  1. Natürlich wollen wir. Was für eine Frage. Sauge jede Zeile auf.
    Was für eine Freude, endlich wieder von Euch zu hören. Dachte schon, ihr seid irgendwo in Liegestühlen kleben geblieben.
    Aber das Leben ist halt kein Ponyhof und das macht es eben auch so spannend und lebenswert.
    Ihr werdet mir morgen auf der Party fehlen. Bekommen wir vielleicht ne Whatts app LiveSchalte um 21.30 Ortszeit Berlin hin?
    Wärdochwas!
    Niki

    1. Wir sind dabei. Sitzen im Cafe und haben jetzt WLAN!!!
      Falls nicht, wünschen wir euch alle ein ausdauerndes Tanz – und in den Pausen ein gutes Standbein.
      Und an alle, denen wir nicht rechtzeitig zum Geburtstag gratulieren konnten: HERZLICHE GLÜCKWÜNSCHE!!!!!
      Insbesondere an Matze- jetzt zu dritt.

  2. …… aber Hallo. Ich freue mich auch über eure interessanten Berichte und träume mich in Jack-Sparrow-Welten. Muß ja nicht täglich sein-aber bitte nicht nochmal so lange zappeln lassen ….
    Gerne bin ich auch auf der Segelreise dabei-leider nur sehnsuchtsvoll….. hatte bei eurem Landfall in St. Lucia fast ein Deja Vu. Habe die Zeit des täglichen Routing Kontaktes auch sehr genossen, dicht dran zu sein. Ähnlich wie Nicki hatte ich schon Vorstellungen von Spontanausfall der gesamten Medientechnik unter karibischer Sonne, Verschnupfung bei Mensch oder Maschine, habe ich etwas falsch verstanden ….
    Ich finde, daß Ihr das ganz phantastisch macht und uns mit euren Berichten durch den nieselregengrauen Winter in Berlin bringt. Ich surfe mit Christiane durch die verschiedenen Charterangebote um in den Schulferien mit der Familie zwei Wochen im mare baltico oder doch im Mittelmeer zu segeln. Ach welch armseliger Vergleich – vielleicht sollten wir einfach mit dem Charterkahn -piratengleich- durchbrennen, in einer einsamen Bucht mit dem Pinsel umlackieren, in ‚Black Pearl’umbenennen, die schwarze Flagge ziehen und nur dem Kompass der geheimsten Wünsche folgen ….. die Quelle der ewigen Jugend suchen, Neptun um seinen Dreizack erleichtern ………

  3. Schoen dass es euch so richtig Gut geht! Klingt abenteuerlich – entspannt – und schön dass auch Enno wieder dabei ist! Liebe Grüße aus dem richtig angenehm warmen Tunis!

  4. Hi Ihr Seefahrer
    Schön wieder was von Euch gehört zu haben. Das bei den vielen Probleme die Berichterstattung hinten ansteht ist,wenn man es weiß,verständlich.Habe mir auf Google Earth Euren derzeitigen Standort angesehen,der wohl an der Westküste ist.Auch die Seeräuberei ist dort wohl sehr present als Freilicht- Museum? Auch Galgen und Särge gibt es genug!!! Landschaft ist dort scheinbar üppig. Das es mit Enno alles gut verlief freut uns besonders.Da die Jungs jetzt wieder selbst im Blog sich einbringen wollen bekommen sie auch von mir eigene Kommentare.
    Wir wünschen Euch weiterhin auf der(n) Insel(n)schöneTage und grüßen aus Haldorf

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