Rodney Bay III und Le Marin

Da sind wir wieder, Rodney Bay in St. Lucia! Hier sind wir am 13.12.2019 nach den 23 Tagen Überfahrt gelandet. Wir liegen in der großen Bucht, diesmal ohne Regen und auch die nächtlichen 30kn Wind lassen uns inzwischen entspannt. Wir wissen, dass der Anker hält, der Boden ist sandig und es gibt reichlich Platz zum nächsten Boot. Warum also nervös werden? Hier haben wir auch unser 2. Dingi gekauft, was uns sehr ans Herz gewachsen ist. Das Boot ist riesig, 3,60m lang und hat einen 2. Boden, d.h. über dem V-förmigen unteren GfK- Boden ist ein 2., der waagerecht ist. Das bringt viel Bequemlichkeit mit sich, mehr als ich vorher gedacht hätte. In der Dusche hatte ich ein Dejavu: Ich weiß noch, wie wir uns nach der Überfahrt auf eine Dusche gefreut hatten, 23 Tage ohn richtige Dusche… . Während ich also unter dem eher kläglichen Wasserstrahl stand fragte ich mich, wann ich denn das letzte Mal geduscht hatte. Nach einigem Überlegen kam ich drauf, es war genau hier! Am Tag des Dingikaufs. Uns das war am 6.1.! Und das ist 36 Tage her! Wow, es ist unglaublich, wie anders sich das anfühlt. Wir haben uns an ein Leben ohne Dusche gewöhnt und das jetzt war jetzt zwar ganz nett aber hatte bei weitem nicht den Erlebniswert, wie nach den 23 Tagen der Überfahrt. Nicht das ihr denkt wir waschen uns nicht. Wir baden jeden Tag im Meer und es gibt ja auch noch Waschlappen und wir duschen uns mit Süßwasser ab. Viel mehr gefehlt haben uns om dem Grenadinen  die mangelnden Einkaufsmöglichkeiten. Es gibt sehr wenig zu kaufen und was es gibt, ist sehr teuer. Entsprechende Wertschätzung hat erfahren, was wir noch an Bord hatten. So wurde aus einer Tüte Karamelbonbons, die wir in der Notfalltasche hatten ein großer Schatz, der abendlich zugeteilt wurde und der kreativ verfeinert wurde. Ein Brocken Sahnekaramell bietet die Basis für 4 Tofifee-ähnliche Pralinen, wenn man ihn in Streifen schneidet und mit einer Mandel sowie etwas Salz garniert. Köstlich!

Inzwischen ist der 22.2. und wir sind schon wieder einige Schritte und Inseln weiter. Von St. Lucia brachen wir mit gemischten Gefühlen in Richtung Le Marin auf Martinique auf. Hier hatten wir ziemlich unangenehme Erfahrungen beim ersten Besuch gesammelt, der Ort ist einfach nicht schön und auch die Einkaufsmöglichkeiten erschienen uns lange nicht so gut wie oft berichtet.

Aber auch hier hat sich unsere Wahrnehmung geändert! Inzwischen schocken uns die vielen Wracks nicht mehr und wir wissen einigermaßen genau, wo wir gut ankern können. Der viele Regen, gerade beim Einlaufen und Ankern nervt zwar aber auch das haben wir dieses Mal gut abgepasst. Der Leaders Price, eine Art französischer Lidl ist ein Schlaraffenland verglichen mit all dem, was wir auf den anderen Inseln gefunden hatten und für nur 560 EUR verwandeln wir unser Boot wieder in ein schwimmendes Delikatess-Restaurant. Um den Schaden am Rigg reparieren zu lassen, gehen wir für 3 Tage in die Marina, was uns allen gut tut. Marina bedeutet Unabhängigkeit, jede(r) kann allein und wann immer er/sie möchte das Boot verlassen, zur Dusche gehen, einkaufen gehen, was auch immer. Das hatten wir ca. 6 Wochen nicht und das tut gut. Selbst die Restaurants kommen uns nach den Erfahrungen in St. Vincent und den Grenadinen nicht mehr teuer vor und dafür gibt es vernünftiges Essen! Also genießen wir das, was uns vormals unangemessen erschien und finden Le Marin gar nicht mehr so schlimm 😊. Die Arbeiten am Rigg klappen gut, es gibt die benötigten Ersatzteile und kompetente Leute für deren Installation. Dass wir die Rolle im Mast für das Fall des Drachensegels nicht ersetzt bekommen, der Motor der Badeplattform nicht repariert werden kann, Lennards Duschpumpe defekt bleibt und der Edelstahlschweißer, der den Hydrogenerator reparieren sollte pleite gemacht hat, nehmen wir gelassen hin. Keiner hat wirklich damit gerechnet, dass wir diese Dauerbrenner gelöst bekommen. Wir leben schon lange damit und haben uns damit arrangiert. Und irgendwelche Probleme müssen wir uns ja auch für kommende Marinas aufheben. Was mich allerdings schmerzt ist, dass wir nach dem dringend erforderlichen Süßwasserwaschen des Drachensegels ein weiteres Loch entdeckt haben. Ich will nicht ausschließen, dass dieses bei der Waschaktion selbst entstanden ist aber darüber nachdenken und sich ärgern hilft auch nicht weiter. Wir werden eh nicht mehr viel Rückenwind haben und damit ist entschieden, dass wir das Segel nicht mehr aus dem Sack holen. Vielleicht schicken wir es ja sogar vorab nach Deutschland, um es dort reparieren zu lassen und an den nächsten Atlantiküberquerer zu verkaufen.

Ich glaube unsere Versöhnung mit Le Marin zeugt auch für unsere insgesamt entspanntere Stimmung. Das erste Mal Le Marin war frisch nach der Überfahrt und wir wahren noch voll der Anspannung. Alles war anstrengend, alles war wichtig, ernst und mühsam. Heute ist nicht mehr alles so wichtig und wir bemühen uns, entspanntere Zeitpläne aufzustellen und Zeit für Genuss zu behalten.

Die Weiterfahrt war dann doch recht sportlich getacktet, obwohl es schon der entspannte Zeitplan war. Wir fuhren morgens in der Marina los wobei uns starker Seitenwind mit dem Heck in die Mooringleine des Nachbarns trieb. Lennard assistierte im Dingi und drückte mit dessen Nase seitlich gegen unser Heck bis wir wieder unser Ruderblatt wieder leinenfrei hatten. Vielleicht nicht die eleganteste Methode aber sie hat funktioniert und es hat nichts weiter Schaden genommen. Den Dingi Motor haben wir dann frei in der engen Bucht treibend wieder an Bord genommen und das Dingi selbst mit zwei Leinen hinten am Boot befestigt. Ich hatte dann die tolle Idee, schon in der Bucht Segel zu setzen. Zum einen, weil wir es nun doch eilig hatten, zum anderen, weil in der Bucht keine Wellen warten. Binnen 5 Minuten war die ganze Mannschaft wach… . Erst in den Wind, um das Großsegel zu setzen. Kaum war das draußen stellte ich fest, dass ich es auch mit Motor nicht schaffe abzufallen und wir recht schnell in Richtung Sandbank fahren. Also sofort die Genua raus, jetzt aber ganz schnell. Dann Großsegel auffieren und nun gelingt es, abzufallen. Allerdings müssen wir jetzt auch gleich Halsen also sofort das Großsegel wieder dichtholen, Halsen und zwischen den Kitesurfern durch in der Fahrrinne bleiben. Auch hier ist nichts passiert, alles hat geklappt aber aus der geplanten entspannten Abfahrt im lockeren Zeitplan wurde doch eine hektische Aktion mit einem aufgeregt rumschreienden Skipper. Also fürs Logbuch: Wenn wir noch einmal nach Le Marin kommen, nicht in der Bucht die Segel setzen!

Nun aber zum schönen Teil: Der Grund für unseren Zeitdruck war ein älteres französisches Ehepaar, was in Anse de Arlet auf uns wartete. Und zwar mit einem Kite, den sie vor ca. 2 Wochen in leboncoin.fr inseriert und für uns aufgehoben hatten. Die beiden waren dann auch 5 Minuten nach unserer Ankunft da, brachten uns einen aus unserer Sicht neuwertigen Kite zum Strand, wo Enno und ich unser fachkundiges Auge darauf werfen konnten. Naja, wir haben ja keine Ahnung aber das Ding sah gut aus, schien wenig gebraucht und die beiden machten einen vertrauenswürdigen Eindruck. Und eine Alternative hatten wir auch nicht, also das Teil muss gut sein! So, jetzt haben wir also einen Kite und auch wenn heute der Wind eingeschlafen ist, werden wir zumindest das Board als Wakeboard einweihen! Es ist schade, dass Peter nicht diesen entspannteren Teil der Reise mit uns teilen konnte und gemeinsam mit uns das neue Prachtstück einweihen kann aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja noch eine Gelegenheit!

Im Norden Martiniques trafen wir dann Vesna (Australien) und Otoka (Canada) wieder, mit denen wir und vor allem die Kinder viel Zeit in Lanzarote verbracht hatten. Vesna hat zwei Jungs, die 13 und 16 sind, weshalb Enno und Lennard sehr darauf gedrängt hatten, das Boot wieder zu treffen. Gestern sind wir dann gemeinsam in einem ziemlich sportlichen Ritt von Martinique nach „Isle de Saints“ kurz vor Guadeloupe übergesetzt. Um 05.30h haben wir noch im Dunkeln den Anker gehoben, um dann mit Motor, Segel und meistens sogar Motor+Segel Strecke zu machen. Es fühlt sich schon etwas komisch an, wenn man bei 12kn Wind noch den Motor dazuschaltet, weil man mindestens 6kn fahren will aber es macht einfach einen großen Unterschied, ob man im Dunkeln in einer fremden Bucht ankert oder eben vor Sonnenuntergang. Die kleine Flottille bestehend aus Vesna, Otoka, Hope (Australien) und Avanti (Holland) war da auch sehr einig und so rasten wir an Domenika vorbei in Richtung Guadeloupe. Als ich heute morgen aus dem Cockpit schaute sah ich dann auch noch Wildest Dreams neben uns, die einen Tag nach uns in Le Marin gestartet sind und die ganze Strecke in einem Ritt hinter sich brachten, um heute morgen um 03.00h hier zu ankern. So ist also die Lanzarote-Crew wieder komplett und vor allem die Kinder freuen sich über diese Ansammlung von immerhin 10 Kindern zwischen 10 und 16 Jahren.

Auf Guadeloupe wollen wir dann auch ein paar Tage bleiben: Wandern, Carneval feiern, Tauchen und natürlich den neuen Kite testen! Oder besser gesagt uns am neuen Kite testen 😊.

Ein weiterer entspannter Urlaubstag

Wir liegen noch immer hinter Fregate Island, einer kleinen Insel, die er größeren Insel Union Island vorgelagert ist und die eine herrlich ruhige Bucht bildet. Die Kitesurfer lieben es, da die meisten Teile der Insel flach genug sind, um den Wind durchzulassen, nicht aber die Welle. Dadurch liegen wir also in einer ruhigen Bucht mit türkisfarbendem Wasser, auf dem Kiter aller Könnenstufen für Unterhaltung sorgen.

Landzunge als Wellenbrecher

Caro und ich haben ein neues Fleckchen für unsere morgendliche Yoga-Session gefunden und nach einem späten Frühstück bin ich tatsächlich in der Hängematte gelandet! Ich glaube das letzte Mal habe ich in Trogir darin gelegen… . Das ist bestimmt übertrieben aber ein so entspanntes Urlaubsgefühl wie im Moment hatten wir selten. Mittags kamen Lara und Max vom Katamaran Rivendell vorbei, da die Eltern nach Clifton mussten, um den versehentlich beschädigten Kühlschrank zu reparieren. Das Reparieren zieht sich übrigens bei allen Booten durch, alle sind immer dabei irgendetwas zu besorgen, zu reparieren oder reparieren zu lassen. Anyway, wir reparieren gerade nichts und machen uns stattdessen auf, mit den vier Kindern den Strand etwas zu säubern. Mit Mülltüten bewaffnet ziehen wir los und innerhalb weniger Minuten haben wir diese mit allerlei Plastikmüll gefüllt. Wir bringen sie in eine schon gut gefüllte Mülltonne im Ort Ashton und fühlen uns gut. Wir haben tatsächlich einmal etwas Gutes getan!

Zur Belohnung fährt die Kinderschar fleißig Wakeboard und verballert dabei ordentlich 2-takt-Gemisch. Das kann man hier an der Tankstelle direkt zapfen, wie früher im Osten! Auf jeden Fall haben sie viel Spaß und Enno und Lara gelingt es tatsächlich, mit einem Wasserstart auf das Kite-Board von Anja, Laras Mama, zu kommen. Wir brettern dabei mit ca 30km/h über das Wasser und unser 9,8 PS Motor gibt wirklich alles. Abends dann Spiele der Kinder auf der Leonardo während sich die Eltern auf Rivendell treffen, um das Remake von Starsky & Hutch auf deren Bordfernseher zu schauen. Ein echter Urlaubstag!

Hang loose!

Fregate Island, Kitesurf-Paradies

Nachdem kaum 15 Jahre seid meinem letzten Kitesurf-Anfängerkurs vergangen sind, haben Enno und ich beschlossen, diesem Sport eine neue Chance zu geben! Union Island gilt als eines der besten Kitesurf-Spots der Karibik und das erscheint uns als ein geeignetes Terrain für unsere Versuche. Nachdem wir alle Kitesurf-Schulen begutachtet haben, haben wir uns für Will entschieden. Will ist ein Franzose, der auf einem Boot lebt und die Kurse als Ein-Mann-Show anbietet. Das macht ihn deutlich günstiger als die anderen Anbieter und uns erschien mehr Zeit zum Üben wichtiger als ein Helm mit Intercom-Anlage. Enno hat bereits gestern losgelegt und sich in einer ersten Stunde vom Kite durchs Wasser ziehen lassen. Heute dann Enno und ich und siehe da: Nach ein paar Stunden mit Will, der unermüdlich unsere im Wasser versenkten Kites wieder an den Himmel gebracht hat, ist es uns tatsächlich gelungen: Enno und ich sind auf dem Brett, vom Drachen gezogen, gefahren! Juhuu, was ein Spaß! Wenn es mal klappt, ist es toll. Von den Stunden davor spreche ich jetzt mal nicht. Spaß gemacht hat es auf jeden Fall und nichts ist schöner, wenn man nach 5h auf dem Wasser von Essenensduft auf dem Boot begrüßt wird! Bilder werden wie immer nachgereicht, ich hoffe, die GoPro hat etwas brauchbares aufgenommen :-).

Morgenstimmung in Clifton Bay

Anspannung und Entspannung

Seid wir in den Tobago Cays sind, haben wir auch unsere tägliche Yogapraxis wieder aufgenommen. Anspannung und Entspannung. Geführt von einer Videoanleitung üben wir mit verschiedenen Stationen eines 10-wöchigen Anfängerkurses. Meist mit dem langen Video der 7. Woche, wenn wir Abwechslung benötigen nehmen wir die 6. oder die 8. Woche.

Yogakulisse

Parallel versuche ich, mich auch im weiteren Reiseleben zu entspannen. Meine aktuelle Übung besteht darin, das Urlaubsleben in den Cays zu genießen, auch wenn die Ankerwinsch kaputt ist. Eine Ankerwinsch ist essenziell für uns, ohne sie können wir nicht Ankern und Ankern ist zum einen die günstigste und flexibelste Art der Übernachtung, zum anderen auch ein Sicherheitsaspekt. Dennoch haben wir beschlossen, einige Tage hier an einer Boje zu verbringen. Es ist einfach zu schön hier, wir sprechen seid 4 Wochen davon, hierher zu fahren und es hat viel länger gebraucht als geplant. Ich möchte der Ankerwinsch einfach nicht die Macht geben, uns zum sofortigen Weiterreisen zu drängen! Also Entspannung trotz Ankerwinsch und später dann Anspannung, wenn es wieder darum geht, Probleme zu lösen. Heute Morgen sind Caro und ich früh aufgestanden, um vor dem Yoga, diesmal mit Anja und Fred von Rivendell, einen entspannten Kaffee zu trinken. Zudem wollte ich diesen Eintrag schreiben. Während der Kaffeeentspannung kommt die Anspannung in Form kleiner weißer Maden, die aus der Mülltüte krabbeln. Also Müll raus, Essiglappen klar, Maden jagen, dabei Boden wischen. Eigentlich schreit das Boot nach einer Grundreinigung, trotzdem beschließe ich, mich an das Notebook zu setzen und diesen Eintrag zu schreiben. Entspannung obwohl Caro weiter am Madenkämpfen ist. Zwischendurch aufspringen, wenn eines der Motorboote vorbeikommt, was Brot oder Lobster-BBQ anbietet. Versuchen, denen unsere Mülltüte schmackhaft zu machen. Aber ich bleibe am Ball und schreibe entspannt weiter 😊. Tief in den Bauch einatmen, langsam wieder ausatmen. Ich finde, dass mir das in Summe besser gelingt als am Anfang. Ich stelle mehr und mehr unsere Bedürfnisse nach Urlaub und Genießen in den Vordergrund, das Boot und dessen viele kleine Anforderungen kommen danach. Ausnahmen sind natürlich essenzielle Probleme aber wie gesagt, man kann auch ein paar Tage ohne Anker leben. Und fallen lassen können wir im Notfall! Nur wieder hoch ist dann etwas schwieriger 😊.

Gestern erfolgte unser 2. Anlauf, die Insel, auf der Käpt´n Jack Sparrow ausgesetzt wurde, anzulaufen. Diesmal nicht mit dem großen Boot, Enno hatte ja berichtet, wie das verlaufen war. Diesmal mit dem Dingi, mit dem wir durch das Riff fahren wollten. Lennard am Steuer und nur die CELM-Crew. „Wildest Dreams“ war schon gefahren, um ihren Außenborder reparieren zu lassen und dadurch waren wir einmal wieder in unserer Familienbesetzung. Das Wetter war entspannt, der Regen hatte sich in der Nacht ausgetobt. Die Wellen waren auch außerhalb des Riffs klein, was nicht ganz unerheblich ist, denn wir will schon mit dem Schlauchboot in der Brandungszone sich auf dem Riff brechender Wellen herumfahren?

Blick aus dem Wasser auf die einsame Pirateninsel

Bei der Annäherung der Insel entdecken wir „Rivendell“, einen Katamaran mit Anja und Fred, einem Deutsch-Französischen Paar mit drei Kindern, die wir bereits aus Rabat kennen und die wir schon in Bequia wieder getroffen hatten. Es ist schön, vertraute Boote zu treffen und mit einigen, fühlen wir uns mehr verbunden. Rivendell gehört dazu und entsprechend freuen wir uns, sie wiederzusehen. So genießen wir einen tollen Tag auf der einsamen Insel, schnorcheln und lassen meinen kleinen Drachen steigen. Dieser hat immerhin 2,5m² und wir mit vier Leinen gesteuert. Bei etwas Wind auf jeden Fall herausfordernd und zudem eine gute Übung für eventuelle Abenteuer mit den Kites für das Kitesurfen. Enno, Lennard und Lara, die große Tochter Rivendells wagen das Abenteuer und bekommen das Ungetüm nach kurzer Eingewöhnung gebändigt. Danach sind wir zum Spagetti-Mittagessen auf Rivendell eingeladen und ich habe einmal mehr Respekt vor Familien, die mit kleinen Kindern auf große Tour gehen. Lilly, die kleinste der Rivendells ist supersüß und voller Energie. Allerdings braucht sie auch viel Aufmerksamkeit und ich glaube nicht, dass Anja und Fred viele freie Minuten haben. Da haben wir es deutlich einfacher und so süß ich kleine Kinder finde, so froh bin ich, dass Lennard und Enno schon so groß sind. Trotzdem lassen wir uns gern von der eh schon geforderten Familie zum Essen einladen und genießen den geräumigen Kat. Dabei stelle ich fest, dass auch ein Katamaran nicht unbedingt ruhig im Wasser liegt sondern  bei Wellen auch ordentlich schaukelt!

Abends treffen wir uns wieder zum Sundowner auf dem Strand einer weiteren Trauminsel, eine weitere französische Familie mit vier Kindern kommt dazu. So geht der Tag sehr entspannt vorbei und die durch Ankerwinschen verursachte Anspannung ist erfolgreich in den Hintergrund gerückt worden.

Abtauchen und Auftauchen

Lenny hat seinen Tauchkurs abgeschlossen und als kleines Extra hatten wir einen gemeinsamen Tauchgang auch für Caro und mich ausgehandelt.

Lennard mit Käp’n Kirk, dem Tauchlehrer

Als mäßig erfahrener Taucher war ich etwas aufgeregt, als wir uns unweit unserer Bucht in Bequia rückwärts von einer ziemlich hohen Bootskante ins Wasser fallen lassen sollten. Die Nervosität war verflogen, sobald wir unter Wasser waren. Ein großartiges Riff voller bunter Fische einschließlich frei schwimmender Moränem, Kofferfischen, Krebsen und vielen Korallen erwartete uns unter Wasser. Ein großer bunter Gärten voller Leben und vor uns ein langer Fisch namens Lennard, der mit offensichtlich viel Spaß elegant und selbstverständlich durch die Tiefen glitt. Wir tauchten weiter zu einem gesunkenen Segelschiff und zum Wrack eines Frachters, beide inzwischen völlig von Korallen überwuchert und von Fischen in Beschlag genommen. Schön und gespenstisch! Der Tauchgang dauerte eine gute Stunde, am Ende war ich ziemlich durchgefroren und saß zähneklappernd auf unserem Tauchboot. Meine beiden Tauchbuddies sahen das und nahmen mich liebevoll in ihre Mitte, um mir etwas Wärme abzugeben. Ein großartiger Familienausflug unter Wasser bei dem nur Enno leider gefehlt hat.

Auf dem Tauchboot
Morgendlicher Aufbruch aus Bequia

Am nächsten Morgen lichteten wir bzw.. ich schon um 06.30h den anker, um zu den berühmten Tabago Cays zu fahren, kleinen unbewohnten Inseln umgeben von einem Hufeisenförmigen Riff. Auf einer dieser einsamenn Inseln wurde Käpt’n Jack Sparrow mit einer Pistole mit nur einer Kugel von seiner meuternden Crew abgesetzt! Die Erlebnisse hier überlasse ich den nächsten Blogschreibenden nur die gute Nachricht vorab: Selbst wenn mich meine Crew hier meuternd aussetzen sollte, werde ich hier wohl nicht in Einsamkeit zu Grunde gehen 😉.

2x Teenager on Bord!

Hurra, es ist so weit! Enno wird 13! Schluss mit Kind, jetzt Teenager! Gefeiert wird ausgelassen mit ortsüblichen Geschenkideen:

Yeah, I am 13!

Wir feiern erst an Bord, wie ihr seht. Später dann mit einem Ausflug in den Ort Port Elizabeth in der Admirality Bay auf Bequia, wo wir festlich Hamburger essen. Die Bucht hier hat große Anziehungskraft für Yachten aus aller Welt und wir treffen einige alte Bekannte: Riverndell, eine Familie mit drei Kindern, die deutsch und frazösisch groß werden, natürlich Wildest Dreams mit Rafael, Tiffani und Isabell, mit denen wir seid einigen Wochen unterwegs sind und nun auch noch „Wild“, ein schweizer Boot (französisch) mit 2 Töchtern, die wir auch schon aus Marokko kennen. Neu dazu gekommen ist Argo, ein deutsches Boot mit einem 16-jährigen Jungen. Wir laden alle auf ein Stück selbst gebackenen Kuchen an den Strand ein und abends treffen wir uns alle auf Rivendell. Dieser Katamaran ist nicht außergewöhnlich groß aber er beherbergt mühelos 12 Kinder im Innenraum und ebenso viele Erwachsene. Katamarane haben doch entscheidende Vorteile. Abwaschtechnisch ist es allerdings besser, die Party auf dem Katamaran des Nachbarn zu feiern und dann mit dem Dingi zurück zum eigenen Boot zu schwanken.

Montag, der 13.

Der Tag startet mot einem typischen Bild: Sonnenschein und Regenwolken liefern uns einen traumhaft schönen Regenbogen!

Nach dem Morgenregen

Es regnet mindestens 10x am Tag. Mal heftig wie unter einer Dusche mit gutem Wasserdruck, mal weniger. Auf jeden Fall nie länger als 15 Minuten und natürlich bei angenehm warmen Temperaturen. Aufpassen müssen wir auf die Fenster: Wenn wir alle schließen wird das Boot zum Backofen bzw. türkischem Bad. Wenn wir sie nicht schnell genug schließen ist alles binnen Sekunden durchnässt.

Um 08.00h holen wir Helga von der Sri Mangalam ab. Helga und Frank kennen wir aus Kiel vom Losfahrertreffen des Trans Ocean Clubs und hatten später einen tollen Abend in La Graciosa, Lanzarote. Heute ist der Anlass nicht so toll: Caros Zehennagel hat sich entzündet und schmerzt sehr. Kurz vor der Heim-OP mit dem neuen Leatherman trafen wir Helga und Frank, die uns von Dr. Ackie erzählten. Die beiden haben auch echte Abenteuer erlebt und dabei nicht nur Dr. Ackie sondern auch das lokale Krankenhaus kennengelernt. Ihre wirklich spannende Geschichte findet ihr hier: Sri Mangalam https://saimangalam.de/

Dr. Ackie war sympatisch aber gnadenlos. Caro war swhr tapfer, als er aus meinwr Sicht unbeteubt mit einer Schere in ihrem Nagelbett herumfurwerkte. Mir ist allein bei dem Gedanken daran wieder ganz schlecht.

Danach Geld holen, Antibiotika aus der Apotheke besorgen, zum Supermarkt (ca. doppelter Preis wie in D), dann mit lokal Minibus zurück zum Boot. Um 13h haben wir so ziemlich alles geschafft, ich mache ein paar Spagetthi und bin so müde, dass ich mir einen Mittagsschlaf gönne. Der Vormittag war anstrengend aber solche Aktionen sind auch zu hause kein Spaß.

Am Nachmittag bringen Enno und ich Peter zur Haupstraße, wo er mit seinem Riesenrucksack in den überfüllten Ragamuffin-Minibus steigt. Wir machen einen Spaziergang und versuchen eine lokale Sim-Card für das Telefon aufzutreiben.

Abschiedsbild mit Peter

Auch das ist gelungen und kurz nach Sonnenuntergang sind wir wieder auf dem Boot. Um 18h ist es dunkel und wir sortieren uns neu: Ohne Peter und ohne befreundete Nachbarboote, nur die #CELM Crew an einem Abend in St. Vincent.

Black Pearl

Hier ist Käpt´n Jack Sparrow vom sinkenden Schiff gestiegen und hier liegen wir nun entspannt vor Anker! An der Ostküste von St. Vincent in der Bucht von Wallilabou haben wir die Reste der Filmkulisse des Dorfes vor uns und die traumhaften Ausblicke auf Bucht, Berge und Urwald in unveränderter Schönheit daneben. Wir liegen eingerahmt von der „Wildest Dreams“, dem Boot von dem einbeinigen Amerikaner Rafael (schon fast ein echter Pirat) und seiner Familie sowie einem französischen Boot. Beglückt werden wir von einheimischen Männern, die auf Surfbrettern, Schlauchbooten und Holzbooten zu uns kommen und uns Mangos, Bananen, Fisch und vereinzelt auch eine Ausflugstour anbieten. Viel ist es nicht, was sie anzubieten haben, die Insel ist arm, die Bewohner haben nicht viel. Oder auch sehr viel, wenn man die traumhafte, üppige und fruchtbare Natur betrachtet. Dieser Natur Infrastruktur und Zivilisation abzutrotzen erscheint in Anbetracht von deren Üppigkeit und heftigen Regengüssen und Stürmen eine wirkliche Herausforderung.

nach dem Regen :-))

Ja, so langsam sind wir angekommen! St. Vincent bringt ein anderes Lebensgefühl mit sich und für uns ist damit auch die Zeit des Organisierens und Reparierens erst einmal vorbei. In Martinique hatten wir einen vorläufigen Tiefpunkt, als unser Dinghi einen neuen Besitzer gefunden hat. Ihr erinnert euch sicher an die Vorgeschichte des Dingis und den damit verbunden Aufwand. Nun haben wir es über den Ozean getragen und nun das. Ein neues Dingi in der Karibik aufzutreiben ist ungleich schwieriger als zu hause, vor allem, wenn mann nicht einfach astronomische Beträge auf den Tisch eines Schlauchboothändlers legen kann. Also habe ich meinen Beruf als Einkäufer wieder aufgenommen und alle Möglichkeiten des Neu- und Gebrauchtmarktes in Martinique und St. Lucia untersucht bis wir nach einigen Enttäuschungen und Überraschungen doch fündig geworden sind. Das hat allerdings zwei Wochen gekostet, in denen wir entweder abhängig waren von Rafaels Dingi oder Taxidienste von anderen Seglern erbitten mussten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie groß unsere Erleichterung war, als auch dieses Kapitel hinter uns lag und wir uns in Richtung St. Vincent und die Grenadinen aufgemacht haben.

Bei uns ist Peter, mit dem wir schon einige Male in Kroatien gesegelt sind und der nun den Unterschied zwischen Full-Service-Chartersegeln und dem „ich kümmere mich um-mein Boot in der Karibik “ hautnah miterlebt. Aber eben auch atemberaubende Ausblicke auf den Regenwald der Vulkaninseln, bunte Fische und Korallen bei 30° Wassertemperatur, Segeln mit Passatwinden. Ja, es geht uns gut! Gestern hatten wir einen Filmabend – den ersten Film, den ich seid 6 Monaten gesehen habe! Piraten der Karibik Teil 1 in der Bucht, in der dieser gedreht wurde! Das Originalmeeresrauschen im Hintergrund, wenn ich am Notebookmonitor vorbeischaue sehe ich die „echte“ Insel – das ist Wahnsinn! Zusammen mit der Crew der „Wildest Dreams“ waren wir mit 10 Personen in unserem Cockpit, großes Karibik-Kino!

Eigentlich hatten wir geplant, Peter und Teile der Nachbarcrew nach Martinique zu bringen, wo sie Ihre Flüge erreichen können. Es stellte sich nämlich heraus, dass zwischen den südlichen Antillen spärlicher bis kein Fährverkehr besteht. Nun ist Wind bis 35kn angesagt und dazu 3m Welle. Das kann man segeln, wenn es sein muss aber nicht, wenn es andere Lösungen gibt. So haben Peter und Christoph in den sauren Apfel gebissen und teure Flüge von St. Vincent nach Martinique gebucht. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar und mir fällt ein dicker Stein vom Herzen, da diese Tour doch 2 Tage und 2 Nächte Segeln bei wirklich heftigen Bedingungen bedeutet hätte.

Planen ist generell schwierig und wir verwerfen weit mehr Pläne, als das wir sie umsetzen. Irgendwie dauert doch immer alles länger, geht langsamer oder auch gar nicht. Wir gewöhnen uns langsam dran und wenn man nicht zu irgendeinem Zeitpunkt irgendwo sein muss ist es ja auch ein bisschen egal.

Wie immer hoffe ich, dass Caro Bilder zu diesem Beitrag lädt oder Peter, der viele tolle Bilder macht. Ich hatte eine lange Pause im Schreiben, auch, weil es uns nach dem Dingi-Desaster nicht wirklich gut ging und es mir anfing unangenehm zu werden, in leicht depressiven Ton aus der Karibik zu schreiben. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt in einer anderen Stimmung schreiben kann. Wenn ihr wollt, kann ich auch wieder versuchen regelmäßiger in einer Art Tagebuch-Stil zu schreiben, allerdings ist es jetzt weit weniger aufregend, als während der Überfahrt. Schreibt mir, wenn ihr das wollt. Bis dahin liebe Grüße an euch alle!

Kleiner Nachtrag

Diesen Beitrag hatte ich am 30.12. geschrieben aber aus verschiedenen Gründen nicht hochgeladen. Dies hole ich hiermit nach:

30.12. und so langsam sind wir da!

So langsam beginnen wir, die Karibik zu genießen! Nachdem wir anfänglich sehr damit beschäftigt waren, irgendetwas zu reparieren, zu kaufen oder vorzubereiten haben wir uns irgendwann vorgenommen, einen Gang runter zu schalten. Es kann ja eigentlich nicht sein, dass wir inmitten von 30° warmen Wasser unter Sonnenschein und Palmen in Buchten liegen und uns dabei gestresst fühlen… . Die tolle Kulisse und das gute Wetter bringen noch keine Entspannung an sich irgendwie haben uns ja immer selbst im Gepäck… . Das Runterkommen ging schrittweise. Nach dem anstrengenden Le Marin sind wir in Richtung Fort de France, wobei wir in einer sehr schönen Bucht geankert haben. In Fort de France dann noch etwas Aufregung, da tatsächlich auch in Martinique der öffentliche Nachverkehr streikte. Da zudem Hauptsaison war es gar nicht einfach, ein Auto zu mieten, was wir brauchten, um Enno abzuholen. Das hat dann alles gut geklappt und Enno war wieder bei uns! Das war toll, wir waren wieder komplett! Ich glaube, auch Enno war froh wieder bei uns zu sein. Natürlich war er erst einmal stolz, allein von Paris nach Martinique geflogen zu sein! Und Paris Orly ist nicht Tegel! Und dann 9h ganz allein! Er hat es super gemeistert und kam um ca. 10cm gewachsen in Fort de France an. Am nächsten Tag war Weihnachten, ein guter Termin, um endlich den Lüfter für den Motorraum wieder zum Laufen zu bekommen. Mit Hilfe des Autos und zwei sehr urigen Werkstätten, die noch Kohlebürsten feilen und einbauen können läuft der Lüfter tatsächlich wieder. Danke auch an die Unterstützung von Manfred, der in Berlin Kohlebürsten aufgetrieben hat.

die Kohlebürsten wurden direkt an der Hauswand auf die passende Größe geschliffen

Weihnachten haben wir dann zu viert auf dem Boot verbracht mit selbstgebautem Weihnachtsbaum und einer Art Raclett, unserem klassischen Weihnachtsessen. Enno hat tatsächlich Weihnachtsstimmung und viele tolle Geschenke mitgebracht, wir hier waren da irgendwie weit weg.

karibischer Weihnachtsbaum
Frohe Weihnachten!

Am 25. Sind wir dann in eine Bucht umgezogen, die angeblich von Schildkröten besucht wird und, siehe da, es gab sie wirklich. Große, mittlere, kleine Wasserschildkröten schwimmen gemütlich durch die Bucht und fressen das Seegras. Gut erkennbar an meist ein oder zwei Schnorchlern, die sich das Ganze von oben anschauen. Caro und ich haben unsere Yoga-Praxis wieder aufgenommen und uns dafür ein schönes Fleckchen Strand gesucht. So langsam kommen wir der Entspannung näher! Dazu habe wir die Wildest Dreams wiedergetroffen, ein amerikanisches Boot, mit dem wir seid Tanger in Kontakt sind. Es fühlt sich gut an, Freunde zu treffen und sich gegenseitig die Anstrengungen der Überfahrt zu erzählen.

Nach ein paar weiteren Tagen in schönen Buchten brechen wir heute wieder nach Fort de France auf, wo wir morgen auf eine tolle Sylvesterparty in den Straßen und am Strand hoffen.

Ich stelle wieder einmal fest, dass Glücklichsein auch eine Entscheidung ist. Es geht uns deutlich besser seid wir uns vorgenommen haben, uns auf uns und das Entspannen zu konzentrieren und potenzielle Problembaustellen nicht dominant werden zu lassen. Es werden dadurch nicht weniger aber sie verlieren an Bedeutung. Das ist sicher alles leicht gesagt, wenn man in der Sonne durch die Karibik segelt aber ich für meinen Teil sehe da Parallelen für mein Leben in Deutschland. Auch da geht es mir prinzipiell gut und vielleicht gelingt es mir auch dort, die Probleme nicht mein Lebensgefühl dominieren zu lassen.

Anyway, hier klappt es auf jeden Fall zunehmend besser und auch Enno hat wieder eine gute Portion Urlaubsgefühl mitgebracht. So langsam, rückt die Überfahrt in den Hintergrund und deren Anstrengung verschwindet aus unseren Knochen.

Tag 8 nach der Überfahrt und noch immer nicht da

Nun sind wir schon über eine Woche in der Karibik und sind gefühlt noch immer nicht angekommen. Was ist passiert?

Die ersten Tage waren in St. Lucia waren einigermaßen entspannt. Am Tag der Ankunft waren abends gut essen und vielen dann tot ins Bett. Caro und ich waren natürlich trotzdem früh wach, vielleicht wegen der Zeitverschiebung, die man auch auf dem Boot merkt oder einfach die senile Bettflucht. Der Tag wurde dem Bootputzen gewidmet. Caro unter Deck, Abdullah und Lennard duschten die salzwassergetauchten Segel, Korneel schrubbte das Deck. Ich war irgendwie bei allem ein bisschen dabei und begann parallel, die Kommunikation zur Außenwelt wieder aufzunehmen. Abdullah hatte unser Boot bereits verlassen, um in das lokale Hotel überzusiedeln (5* wie er sagt). Dorthin lud er uns dann nach geputztem Boot ein und wir hingen auf der Hotelterrasse ab, um Pizza aus dem Steinofen zu essen. Da es immer wieder regnete verzogen wir uns teilweise unter Sonnenschirme und spielten bis in die Dunkelheit Wizzard.

Für den nächsten Tag hatten wir uns Pause verordnet, was so halb klappte. Ich telefonierte mit meinen Freunden in Lanzarote bzw. Teneriffa, die uns das 2. Spiefall eingebaut hatten. Natürlich war keiner verantwortlich, jeweils der andere eventuell, aber sie selbst sicher nicht… . Natürlich ärgerte mich das und so schaffte ich es schlechte Laune und Anspannung zu diesem Thema zu konservieren. Diesmal ab mittags zu Abdullah auf die Terrasse bei der Poollandschaft, die, wie sich dann herausstellte, nur den Hotelgästen vorbehalten war. Anyway, wir aßen Pizza und spielten Wizzard. Nachdem Caro und ich uns aufgemacht hatten, um doch etwas vom Ort zu sehen, setzten Abdullah, Lennard und Korneel den Nachmittag mit intensiven und langandauernden Schachspielen fort. Der Ort, den Caro und ich entdeckten war eher kärglich aber es gab ein paar Häuser, die doch eindeutig karibischen Flair hatten. Bunte Hütten, Chicken & Fries aus einer Bretterbude mit ein paar Gartenstühlen, Bars mit Raggamuffin-Sound. Der Ausflug ging schon wieder an unsere physischen Grenzen, es war heiß und durch den ständigen Regen dazu schwül. Nachdem es gegen 18h schlagartig dunkel wurde, fanden wir noch unseren Weg zurück in die Marina. Die Marina in St. Lucia ist ziemlich groß und voll von ARC-Teilnehmern. Diese Atlantik-Ralley, bei der ca. 300 Boote mitfahren, teilweise im Regattamodus, teilweise einfach nur an der Gesellschaft anderer interessierte Cruiser.

Am folgenden Tag gab es wieder erste Aufgaben: Korneel bot sich an, in den Mast zu klettern und das Toplicht zu reparieren. Glücklicherweise war es nur die Glühbirne und glücklicherweise für mich wiegt Korneel nur 65kg und kann zudem klettern (es macht das Hochziehen erheblich leichter, wenn jemand dabei mit den Füßen unterstützt. Nachmittags fuhr Abdullah mit der Fähre in Richtung Martinique und wir raus in die Bucht vor der Marina. Irgendwie war uns die Marina zu voll, zu hektisch, zu laut, auch wenn wir natürlich die Süßwasserdusche. genossen haben. In der Bucht von Rodney Bay liegen ca. 200 Boote aber die Bucht ist groß. Es ist also kein Problem, einen Platz mit ausreichend Platz zu den Nachbarn zu finden aber es ist ziemlich anonym. Wir nahmen das Dingi in Betrieb, was die Überfahrt gut überstanden hatte und sich überhaupt nach den anfänglichen Querelen in Trogir als ziemlich widerstandsfähig entpuppte. Während ich das schreibe bekomme ich gleich Sorge, dass es nun bestimmt bald kaputt gehen wird – wir ihr seht bin ich noch nicht wirklich entspannt. In der Bucht war es dann eigentlich ganz nett, wir sprangen das erste Mal in das warme karibische Wasser und versuchten, ein paar Momente einfach mal nichts zu tun. Dabei half der Regen, der sich regelmäßig und von heftigen Böen begleitet über uns ergoss. Überhaupt war sehr viel Wind, was beim Ankern immer eine gewisse Anspannung mit sich bringt. Wir hatten ziemlich viel Kette draußen und daher dachte ich schon, dass der Anker hält. Trotzdem wurde ich nachts wiederholt wach und schaute besser mal nach. An Land tobte die National-Day-Party, begleitet von lautem Ragga-Sound. Durch den ablandigen Wind war das so, als ob ein mittelgroßer Standlautsprecher in unserem Cockpit stünde. Nachmittags viel es nicht so auf aber abends war es dann schon störend. Vor allem für Lennard, für den eine permanente Beschallung noch anstrengender ist.  Am nächsten Tag fuhren Caro und ich morgens an den Strand, um unsere Yoga-Praxis wieder aufzunehmen, was super war! Wir waren zwar nach fast 5 Wochen Pause und Bootfahren extrem steif aber um so größer war der Effekt. Nachmittags dann unsere erste touristische Aktivität: Mit dem Dingi zu den beiden Hügeln am Ende der Bucht, auf der ehemals englische Soldaten nach französischen Soldaten Ausschau hielten. Und wahrscheinlich nach Piraten. Lennard zog es vor, auf dem Boot zu bleiben und Korneel verließ uns nach dem Ausflug, ebenfalls mit der Fähre nach Martinique.

Plötzlich wieder zu dritt an Bord drohten wir, in alte Dynamiken zu verfallen. Lennard wollte spielen (Schach, Wizzard, Skat oder was auch immer), Caro und ich hatten tendenziell immer irgendetwas sinnvolles zu tun oder gar Ausflüge im Kopf. Vielleicht war es auch einfach die immer noch vorhandene Anspannung, die sich entlud und dazu führte, dass wir uns gleich mal heftig stritten. Keine Ahnung mehr worüber.

Nach einem weiteren Tag mit Yoga, Regen und Ragga vom Strand beschlossen wir, uns in Richtung Martinique aufzumachen. Im Reiseführer dann ein Schreck: Angeblich müssen Boote in Martinique EU-versteuert sein, da Martinique ja Frankreich ist. Wir dachten, dieses Thema nun seit den Kanaren hinter uns zu haben und waren sofort aufgeschreckt. Wir wollten Ruhe und keine neuen Stressfaktoren… . Also mit dem Dingi zur Marina, um im Internet zu recherchieren. Es wurde relativ schnell klar, dass sich der Reiseführer irrte und die MwSt für uns kein Thema ist. Trotzdem erst einmal Aufregung und ein blödes Thema. Ach ja, parallel weiter die Auseinandersetzung mit der Teneriffa-Connection zum Thema Spi-Fall, diesmal unter Einbeziehung eines Rechtsanwaltes und der Versicherung.

Am nächsten Tag dann los nach Martinique. Dort kann man angeblich super einkaufen und sich für die weiteren Karibiktörns vorbereiten. Zudem kommt ja Enno am 23.12. in Martinique an.

Der kurze Sprung rüber, es sind nur 25nm, entpuppte sich als etwas aufregender als geplant. Kaum waren wir aus der Rodney Bay raus bekamen wir den Passat mit 25-30kn und 3m Welle zu spüren. Diesmal schräg von vorn, so dass der scheinbare Wind konstant über 30kn blies. Auch wenn wir mit etwas Großsegel schneller gewesen wären, entschieden wir uns dafür, nur mit einer leicht gerefften Genua zu fahren. Wir hatten sogar kurz überlegt, das ganze Abzublasen und zurück in unsere Ankerbucht zu fahren aber irgendwie fahre ich einfach nicht gern zurück.

So stand ich 4h am Steuer während Caro und Lennard das erste Mal etwas mit Seekrankheit zu kämpfen hatten. Nicht schlimm aber einfach extrem ermattend. So lagen beide zeitweilig am Boden des Cockpits, darauf wartend, dass dieser kurze heftige Ritt schnell vorbei ginge. Am frühen Nachmittag dann die Erlösung und wir fuhren in die Bucht von Le Marin, dem Yachtzentrum Martiniques. Was das heißt war dann auch schnell zu sehen. In einem ersten Ankerfeld lagen ca. 300 Yachten, weiter innen in der Bucht noch einmal ca. 1000 Yachten in zwei großen Feldern.. In der eigentlichen Marina dann noch einmal 830 Boote. In den Ankerfeldern war das Bild sehr gemischt. Alte, teilweise gesunkene Yachten inmitten von neuen und schicken Ozeanüberquerern. Viele schienen dauerhaft hier zu liegen und nicht alle waren bewohnt Wir suchten also einen Parkplatz bei nach wie vor starkem Wind und waren froh, irgendwo zwischen vielen Booten fest vor Anker zu liegen. Das ganze fühlte sich eher an, wie ein französischer Autobahnparkplatz. Im Hintergrund Neubauwohnanlagen und eine nicht enden wollende Masse an Fahrzeugen.

Abends erst einmal nichts mehr machen. Am nächsten Tag begann das Programm: Kohlebürsten für den Lüfter im Motorraum besorgen, neues Navilicht besorgen und eine Edelstahlbude finden, die uns einen Halter dafür anschweißt. Dazu die tollen Supermärkte auschecken, wo wir uns mit Proviant eindecken wollen.

Leo in Martinique

Dieses Programm begleitet uns nun seit 3 Tagen, der Edelstahlhalter ist angeschweißt, 28kg Wäsche sind gewaschen, das Navilicht ist besorgt, der Ring am Schlitten der Genua-Baum-.Schiene ist geschweißt und wir haben mit mindestens 10 Läden bzw. Menschen über Lüfter und Kohlebürsten gesprochen. Inzwischen sind auch Opa Manfred in Berlin und Peter im Allgäu mit am Start, um diese kleinen widerborstigen Bürsten in die Karibik zu schaffen.

Nun ist es gleich 9.00h und wir müssen unseren Parkplatz vor der Edelstahlfirma räumen. Dann noch schnell Ankern, mit dem Dingi zum Supermarkt und das Boot mit Wasser, Cola, Bier, Milch usw vollräumen. Die Supermärkte sind lange nicht so gut, wie wir uns das vorgestellt hatten aber wir glauben mal den anderen Bootsfahrern, die sagen, dass es in den anderen Inseln viel schlechter aussieht. Dann raus aus dieser Parkplatzbucht und eine ruhige Bucht suchen. Und die Beine hochlegen. Und endlich ankommen!

Ach ja: Der Bart ist ab!

Erstens wird es langsam komisch beim essen und zweitens brauche ich wieder einen frischen Impuls!