Northsound

Die Leonardo ist heute aus dem Wasser gekommen und wir sind also wieder Landratten.

Die Atmosphäre hier ist schon speziell. Zum einen dient die Anlage zur Unterbringung von Booten aller Art und zum anderen gibt es hier einen Schrottplatz für Boote, die durch einen Hurricane zum Totalschaden erklärt wurden. Auf den zweiten Blick entdecken wir darin aber auch eine Wohnform, Männer die sich aufgemacht haben sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Sie wohnen in ihrem von der Versicherung günstig erworbenen Schrottboot und bauen es Stück für Stück wieder auf, einer von ihnen lebt seit 4 Jahren hier.
Am letzten Tag vor unsere Abreise erleben wir den schwärzesten Tag unseres Jahres und nicht wegen des Wetters, auch wenn es an diesem Tag aus Kübeln regnet. Für die Rückreise brauchen wir einen nicht unerheblichen Betrag Bargeld: Auslöse aus Antigua, Überziehung der Visa, Cruisingpermitt, Flughafengebühr, Flughafensteuer, Pilot, Taxi, etc und alles in Cash. Unglücklicherweise ist die (fast) gesamte Barschaft einschließlich der Kreditkarten und anderer, Führerschein und die Simkarte fürs Telephon abhanden gekommen. Wir sind deprimiert und versuchen uns mit beschönigenden Vergleichen die Stimmung nicht in den Keller wandern zu lassen. Und wir müssen auf jeden Fall in die Stadt kommen, um an diversen Bankautomaten Geld zu ziehen. Martin kann unter der Hand ein Auto organisieren und wir fahren zusammen nach Saint Johns, auch weil wir noch zum Abschied essen gehen wollen. Doch die Pechsträhne reißt nicht ab. Meine Visakarte bleibt nach 5 Versuchen an 4 Bankautomaten leider erfolglos und wird zu guter letzt noch eingezogen. Wir stehen wirklich ziemlich verloren auf der Straße rum – ohne Bargeld und ohne Kreditkarten kommen wir nicht von Antigua weg. Autsch.
Nach einigen unangenehmen Stunden mit verschiedensten Überlegungen halten wir es für das Beste uns Geld zu leihen, und glücklicherweise ist unser Broker Richard bereit dies auch zu tun.
Der nächste Tag zeigt sich dann auch schon wieder freundlicher. Durch unseren seit Tagen hohen Adrenalinpegel, schaffen wir noch mit Schwung die letzten Arbeiten am Boot: …(alle, die das kennen wissen, das hier eine nicht enden wollende Liste steht ; )
Unser Gepäck ist auf ungefähr 175 KG ‚geschrumpft‘.
Und dann geht es in 2 Etappen zum Fluhafen. Wir sind aufgeregt und auch schon sehr gespannt, da wir für die erste Etappe nach Guadeloupe ein privates Flugzeug gechartert haben. Beim Anblick der Maschine müssen wir kurz schmunzeln, sieht sie doch mehr wie ein Spielzeug aus.

Beim Einsteigen muss dann auch eine genaue Reihenfolge, abhängig vom Körpergewicht, eingehalten werden, damit der Gewichtstrimm stimmt. Naja, wir sind nach dem gestrigen Tag so froh, dass gutes Wetter ist, (die Strecke kann nur auf Sicht geflogen werden), und auch, dass wir es überhaupt noch geschafft haben, sodass wir nicht zaudern und erleichtert in die klapprige Blechbüchse einsteigen.
Der Flug selbst ist tatsächlich großartig. Wir sehen noch mal viele der schönen Ankerplätze von oben und nehmen Abschied.
In Guadeloupe kommt unser Taxi netterweise direkt an die Maschine und bringt uns zum International Airport, wo wir mit Corsair nach Paris/Orly fliegen. In Paris bringt uns ein Taxi zum Gare de l‘ Est, wo wir in den Zug nach Berlin steigen. So langsam weicht meine Anspannung einer gewissen Müdigkeit. Während ich schreibe, zieht die wunderschöne Landschaft des Elsass an uns vorüber. In einer halben Stunde müssen wir noch einmal mit all unserem Gepäck umsteigen.

Dann haben wir es schon fast geschafft. Zurück geht halt immer schneller.
Wir sehen und hören uns das nächste Mal live in Berlin.

Gebucht!

Wow, das war jetzt irgendwie noch einmal stressig. In Green Island waren wir noch einmal kiten und dabei ging mir tatsächlich noch einmal der Kite kaputt. Und das, Obwohl wir schon das gesamte akiteequipment verkauft hatten. Also noch einmal reparieren, dann nach English Harbour. Dort, wo wir vor ca. 4 Monaten auf dieser Insel angekommen waren, wollten wir nun das Ende einläuten. Angesagt hatte sich eine Amerikanerin nebst Lebensgefährten, die evtl. das Boot kaufen wollten. Für uns hieß das 2 Tage putzen extreme. Alle Kabinen, Salon, Deck schrubben, Polyester mit Antigilb behandeln, Rostflecken bearbeiten… mir tun jetzt noch die Hände von dem scharfen Zeug weh. Die CELMcrew hat noch einmal super zusammen gearbeitet. Dann gabs die Besichtigung, danach Abwarten. Der Makler versorgte uns sehr spärlich mit Informationen und wir steckten fest. Heimreise buchen, ja oder nein, wenn ja, wann? Boot vorbereiten zum Auskranen oder doch noch warten auf Jennifer, USA? Ich war ständig am Flüge checken, mit Marinas am verhandeln und dabei letzte Kleinigkeiten am Boot reparieren. Auf diesem Wege haben wir tatsächlich den Stabantrieb für die Badeplattform richten können. Peter wird sich erinnern, da haben wir uns schon vor 6 Monaten mit rumgeschlagen. Jetzt ist es tatsächlich gelöst!

Heute hat dann der Makler mal nachgeforscht – Jennifer will nun wohl doch den Katamaran kaufen… . Wir können daher Nägel mit Köpfen machen: Das Boot bleibt hier und kommt über die Hurricanesaison an Land – teuer aber dafür sieht das Boot nachher immer noch aus wie unsere Leonardo. Dann Flug buchen. Ab Guadeloupe gibt’s ständig Flieger nach Paris, nur müssen wir dahin. Für die 60sm chatten wir nun ein Privatflugzeug. 2 Sitze müssen raus, dann passt auch unser Gepäck rein. Dann mit nem Billigflieger nach Paris, von dort mit dem Zug nach Berlin. Ankunft Berlin-Spandau 09.07. 23.14h ! Yeah!

Ich bin völlig geschafft. Das ganze hin und her, dazu ist es heiß und im Salon steht alles rum vom Probepacken. 440kg einschl. Lebendgewicht hat uns der Privatflieger erlaubt. Ich glaube dazu kommt eine gute Portion Abschiedsschmerz. Klar, wir freuen uns auf zuhause aber irgendwie wissen wir auch, dass wir gerade ein sehr besonderes Leben genießen, was uns fehlen wird. Ich bin froh, dass wir den Blog geschrieben haben, denn die vielen Eindrücke und Erlebnisse bekomme ich gar nicht mehr zusammen. All die Monate in Antigua waren so vielfältig und obwohl 4 Monate absurd lange klingt, kommt es uns vor wie 6 Monate. In einer Woche fahren wir und es fühlt sich so an, als müssten wir jetzt packen. Im normalen Leben dauert der Urlaub oft nicht länger als eine Woche… .

Nun,  Vielleicht kauft niemand unsere Leonardo und wir müssen im November kommen, um sie zu Wasser zu lassen. Diese Bürde würde ich dann tragen und vielleicht begleitet mich ja der oder die eine oder andere, um in türkisblauem Wasser zu schnorcheln und im Passatwind zu segeln und zu kiten.

Wie ihr merkt, der Abschied ist nicht leicht und wir werden sicher noch viel an unsere Riese denken. Dies ist noch nicht das große Resümee aber vorab kann ich zumindest für mich sagen: Das war eines der besten Dinge, die wir je angegangen sind! Ich freue mich darauf, euch bald alle wieder zu sehen

Great Bird Islands und die Tage danach

Nachdem unsere Lager wieder aufgefüllt sind, segeln wir im Uhrzeigersinn weiter nach Northsound. Der Hafen liegt im Norden von Antigua und könnte einen Stellplatz für die Leonardo haben.

Schatten wird unbedingt geteilt

Wir legen kurz an, um Wasser zu tanken und segeln weiter nach Great Bird Island. Eine Ansammlung von kleinen unbewohnten Inseln, die schön zum Schnorcheln und Kiten sind.
Doch heute wird einem das Baden durch große Algenfelder verleidet. Ich habe von großen Braunalgenfeldern gelesen, die sich in warmen Jahren von der Karibik bis an die afrikanische Küste erstrecken.

nich so lecka


Das Kiten bringt viel Freude und Verdruss. Ich bin dabei Außenstehende, auch wenn ich mich mal im Bodydragging versucht habe und willkommene Unterstützung beim Reparieren bin. Aber wenn Martin und Enno vom Kiten zurückkommen ist mindestens der restliche Tag und auch der folgende dem Reparieren der bunten Flieger gewidmet. Die Stimmung ist dann gedrückt und das Boot verwandelt sich in eine Werkstatt.
Und dann wieder – wenn ich Enno über das Wasser ‚fliegen‘ sehe, finde ich es großartig und jubele ihm zu.

Heute winken wir Alissa hinterher, einem norwegischen Boot, genauer gesagt Lisbeth und Andreas. Sie brechen in Richtung Grenada auf, um sich vor den Hurricanes zu verstecken. Für sie geht die ‚große Reise‘ noch einige Jahre weiter. Mit Gitarre und feucht fröhlichem Gesang nahmen wir abends Abschied.

Lisbeth und Andreas

Mittlerweile ist der Zeiger weiter vorgerückt und wir befinden uns wieder in Green Island. Es ist unser Lieblingsankerplatz. Hier gibt es die besten Bedingungen zum Kiten und auch die schönsten Yogaplätze.

friedlich und entspannt

Auf einem letzten Spaziergang muss ich immer wieder schlucken und ich erinnere mich an die großartigen Momente, die wir hier verlebt haben.


Wir nehmen am letzten Abend noch einen der unzähligen Sundowner …


Tagsüber haben Lenni und ich schon mal die Außenwände gesäubert und poliert. Jedes Workout ist dagegen ein Kinderspiel. Und wir sind sehr zufrieden mit den Sonne und Wasser spiegelnden Oberflächen.

Tja, und jetzt sind wir in English Harbour, liegen mitten im Weltkulturerbe, der Hafenanlage von Lord Nelson. Die letzten Tage widmen wir Praktischem: Kites verkaufen, Bücher verschenken, entrümpeln – und dann deep cleaning … Im Anschluss gönnen wir uns ein Lunch auf der anderen Seite in Falmouth. Es ist ganz gut die letzten Tage noch beschäftigt zu sein

Gerade im Moment ist ein Makler mit einer Kundin an Bord. Das ist schon aufregend. Es würde vieles vereinfachen, wenn wir die Leonardo vorher an die Frau bringen könnten.

Wenn diese nicht weiter interessiert ist, werden wir die Leonardo nach Northsound bringen und über die Hurricanesaison auf Land stellen. Der Rückflug wird ein Marathon, aber davon später.

St Johns

Unser Proviant ist aufgefuttert und wir müssen Green Island verlassen. Aber es ist NOCH kein Abschied für immer!
Auf dem Weg in die Stadt fangen wir einen prächtigen Barjag: Martin wirft die Leine, ich hole ihn an Bord und Enno nimmt ihn aus.

Ein prächtiges Tier


Seit über 2 Monaten waren wir in keiner größeren Ortschaft. So ist jetzt St John, die Hauptstadt von Antigua, eine willkommene Abwechslung zu unserem sonstigen Beachlife.

Antigua hat immer noch Maskenpflicht

Normalerweise halten hier die großen Cruiser, doch coronabedingt ist die gesamte Anlage geisterhaft leer. Auch der örtliche, wirklich riesige Supermarkt ist aus unerfindlichen Gründen, bis auf ein paar Dosen, leer.


Doch wie schön, endlich mal wieder Streetfood zu finden!

Auf der Straße führt uns unsere Nase zu einem sehr bunten Stand mit einem jamaikanischen Koch, der uns zum Frühstück ein wunderbares Schweinsgulasch mit Gemüse zubereitet.
Auch die Marktstände sind voll mit leckerem Fisch und Gemüse. Herrlich!

Um Proviant für 10 Tage einzukaufen, müssen wir 3x losgehen. Die letzte Runde gehen Enno und Martin allein und finden einen Supermarkt, der das Herz höher schlagen läßt. Es hat alles im Überfluss!
So bietet die heutige Bordküche fangfrischen Fisch und zum Nachtisch Eis (salted Caramel).

1. Versuch
finaly


Und trotzdem:

Manchmal stelle ich mir vor, wie es jetzt zu Hause wäre. In unserem großen Bett gemeinsam liegen, den ersten Kaffee mit Milchschaum trinken, durch das große Fenster in den Garten schauen. Bei Butter Lindner einkaufen, also ihr wisst schon, den leckeren Rahm mit Frühlingszwiebeln, frische Brezeln, … Schinken, Käse (3 Monate Presscheddar aus Neuseeland wecken Sehnsüchte ;).

Ja, ich freue mich auf zu Hause und auf euch, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich unser Leben hier vermissen werde.

Nach einer schönen Zeit in Greenisland, angekommen in Sant Johns.

Wir waren jetzt ungefähr, die letzten zwei Wochen in Greenisland (eine kleine Insel die zu Antigua gehört.) Es war am Anfang ein wenig traurig in Greenisland anzukommen, denn wir mussten uns alle an die schöne Zeit mit the Recipe, Moonfleed und Wildest dreams erinnern. Aber ich habe einfach probiert, wieder mehr Kontakt mit Freunden von zuhause aufzunehmen, um mich abzulenken. Aber eigentlich der Hauptgrund, dass wir wieder nach Greenisland gefahren sind, ist das Kitesurfen. Es hat super Spaß gemacht wieder Kitesurfen zu gehen und wir waren fast jeden Tag zwei mal Kiten. Papa und ich haben beide viele neue Sachen gelernt. Wie haben beide toeside fahren geübt Papa hat angefangen zu Springen und ich habe angefangen Backrolls zu machen. Aber wo wir warscheinlich am meisten gelernt haben, ist das reparieren von Kites. Erst mussten wir unsern 12,5 reparieren, denn er hatte ein Loch im Schlauch. Dass reparieren hat leider erst nicht geklappt, deswegen haben wir erst einfach andere Kites benutzt. aber als ich unsern 11er bei einer Backroll mit Schwung aufs Wasser geschlagen habe ist er in der Mitte zerrissen. Aber da wir den Kite gekauft haben und sie uns schon gewarnt hatten, dass, das eine Schwachstelle wäre. Aber es ging weiter. Am nächsten Tag waren wir wieder beide gleichzeitig draußen, und ich hatte mein Board verloren und trieb mit Kite auf dem Wasser ein wenig hilflos davon. Papa der das natürlich sah, wollte mir helfen in dem er mir mein Board bringt. Und mit zwei Boards und einer Böhe verlor Papa die Kontrolle und sein Kite flog aufs Wasser und zerriss Inder Mitte. Ich hatte es mittlerweile wieder geschafft meinen Kite zu launchen und Und zog mich mit dem Kite zurück an den Strand um, dann Papa mit dem dinghy zu sichern. Aber ein anderer freundlicher Kiter war schon schneller als ich und sicherte Papa. Es klingt vielleicht ein bisschen gefährlich aber ist es nicht. Wir haben, dann die Kites zu Freunde gebracht die aus kaputten Kites Taschen und andere Sachen machen. Papa hat es dann mit Mama geschafft den 12,5 zu reparieren. Dann hatten wir noch ein paar schöne Kite tage. Aber, dann ist der Wind eingeschlafen und wir haben beschlossen nach Sant Johns zu fahren um mal wieder einkaufen zu gehen.

Ich bei einer Backroll Video kann ich hier leider nicht hochladen😕

Mein Alltag…

Nun sind die anderen Kinder alle schon etwas länger weg und ich komme solangsam in einen Alltag hinein…

Aufstehen zwischen 10 und 11 Uhr, Danach essen, Videospiele machen und schwimmen gehen.

Aber darüber möchte ich eigentlich nicht schreiben… Worüber ich schreiben will, weiß ich zwar selber noch nicht, aber ich hoffe auf eine plötzliche Eingebung in den nächsten Minuten…………………

OK mir ist zwar nicht wirklich was eingefallen, aber ich lese ja Nachrichten und verfolge recht interessiert, was in der deutschen und amerikanischen Politik so abgeht. Also kann ich endlich Mal loslassen, für wie unglaublich dämlich ich Trump halte….. Ich könnte darüber natürlich jetzt einen langen Monolog halten, aber ich glaube dieses Lied von einem Demokraten ist lustiger und bringt das ganze recht gut auf den Punkt.

Loch after Lock-Down

Der Lockdown hat uns soviel soziale Aktivität, Party und Gruppengefühl beschert, wie nicht zuvor auf dieser Reise und auch zuhause seit langer Zeit nicht mehr. Die Erwachsenen haben viel gefeiert, die Teenager haben eigentlich durchgehend getanzt oder im Wasser gespielt, es war einfach großartig. Ich kann zumindest für mich sagen, dass der Lock-Down erforderlich war für einen echten Slow-Down. Wir konnten nicht weiter, wir konnten nichts erkunden, wir konnten keine weiteren Schritte planen. Und wenn man nichts machen kann, muss man auch nichts machen. Alle waren mehr im hier und jetzt, weniger bei dem was kommen möge. Es kehrte eine große Ruhe ein und prägte unsere eingeschlossene Gemeinschaft.

Nun sind so ziemlich alle weg: Moonfleet mit seinen drei Jungs, Recipe mit den drei Mädchen und Wildest Dreams mit Isabell. Alle sind in Richtung USA unterwegs, wo sie entweder nach Hause wollen oder ihr Boot aus dem Hurricane-Gürtel bringen müssen. Bei uns bleibt eine gewisse Katerstimmung, plötzlich sind wir wieder nur wir vier. Jede(r) hat so seine Art damit umzugehen. Enno konzentriert sich aufs Skateboardfahren, um wieder an etwas zu trainieren, Lennard feiert das Datenvolumen mit Youtube ab und Caro und ich beschäftigen uns mit dem Bootsverkauf bzw. der weiteren Planung. Das fühlt sich nicht so aufregend an, wie die Zeit davor aber zumindest was die Planung anbetrifft kommen wir schrittweise weiter. Oder besser gesagt, wir drehen uns im Kreis und werden dabei schlauer und kommen so auch voran. Im Moment beschäftigen wir uns mit drei Fragen: Wie bzw. wo verkaufen wir das Boot? Wo lagern wir das Boot über die Hurricane-Saison? Wie kommen wir nach hause? Nachdem sich herausgestellt hat, dass British Airways zwar von Antigua nach Berlin fliegt aber wir dafür in London den Flughafen wechseln müssen während in London eine 14-tägige Quarantäne befolgt werden muss, haben wir noch einmal Martinique in Betracht gezogen. Dort liegen befreundete Segler, es gibt günstige Flüge über Paris, es gibt weniger Hurricanes, viele gute Gründe sprechen dafür. Da wir das Boot aber gern an Nordamerikaner verkaufen wollen und diese nicht nach Martinique fliegen (es gibt praktisch keine Flüge aus den USA nach Martinique), wollen wir nun doch in Antigua bleiben. Hier in English Harbour hat sich schon Admiral Nelson vor den Hurricanes versteckt und mit Chris haben wir auch jemanden gefunden, der sich um das Boot kümmert. Bleibt der Flug: Entweder schaffen die Engländer ihre Quarantäne wieder ab oder wir versuchen von hier nach Guadelopue zu fliegen und von dort nach Paris und Berlin. Irgendwie wird das schon klappen.

Wie ihr seht, holt uns so langsam die letzte Phase unserer Reise ein. Es fühlt sich alles nach Heimreise an, obwohl wir noch 6 Wochen haben. 6 Wochen klingt ganz wenig, in normalen Urlaubskontingenten gesprochen ist das natürlich ganz schön viel. Wir werden wieder zu den Kitesurf-Spots aufbrechen und wahrscheinlich noch einmal um Antigua cruisen. Andere Inseln zu besuchen ist nicht ganz einfach, da auf den meisten eine Quarantäne eingehalten werden muss und wir dann ja auch bei der Rückkehr nach Antigua neu einreisen und ggf. ebenfalls eine Quarantäne einhalten müssen. Also bleiben wir voraussichtlich hier. Einzig, wenn noch vor der Hurricane-Saison ein Käufer auftaucht, könnten sich die Pläne ändern. Es gibt ggf. einen Interessenten in St. Lucia, an dem Ort, wo wir vor inzwischen 5 ½ Monaten Land erblickt haben. Das wäre bestimmt auch eine spannende Variante, diese Reise zu beenden. Ich bin mir sicher, dass sich unser dann wahrscheinlich 4. Besuch in St. Lucia wieder ganz anders anfühlen wird als die vorherigen.

Inzwischen freuen wir uns auch alle wieder auf zuhause. Wir nehmen uns vor, etwas von der Partystimmung unseres Lockdowns mitzunehmen und das Leben in Berlin zu genießen. Ich muss mir überlegen, wie es beruflich weitergeht, wozu mir ständig neue und sich widersprechende Ideen kommen. Wahrscheinlich wird es nichts davon, ich genieße zumindest die Freiheit, neue oder auch erprobte Wege gehen zu können.

Von Monstern und Drachen

Wahrscheinlich geht es vielen von Euch ähnlich: Man kann nicht mehr ganz so einfach einkaufen, ist viel zuhause und kommt auf tolle Ideen, was man in der Küche zaubern kann. Wir liegen hier in Green Island, weit weg von der Zivilisation. Das ist gut, denn keiner kümmert sich so richtig um den Lockdown und das ist nicht gut, weil wir hier nicht einkaufen können. Also haben wir gebunkert, was man bunkern kann und uns ein Küchenmonster zugelegt. Das Küchenmonster will jeden morgen gefüttert werden und dankt es einem mit Wachstum und Fermentierung. Die Rede ist von der sogenannten „Mutter“, einer Hefekultur, die in unserem Kühlschrank lebt. Den Namen verdankt es seinem Einzug bei uns: Collin, der Skipper des Nachbarbootes und in seinem häuslichen Leben Koch war so nett, seine Mutter mit mir zu teilen. Diese weilt seit ca. 8 Monaten bei ihnen und wurde in Rom angesetzt. Er hatte meinen Teil der Mutter noch einmal gut gefüttert, damit sie einen guten Start hat was dazu führte, dass mein Schraubglas fast explodiert wäre, als es bei uns an Bord war.  Die Monstermasse quoll durch den nur leicht verschlossenen Deckel, der sich nicht mehr öffnen lies. Ich habe hektisch Löcher in den Deckel geschlagen, was zu einer Hefefontäne im Cockpit führte. Die überquellende Masse verteilte ich auf zwei Gläser und nun füttere ich jeden Tag „Hulk“ und „Bibo“, unsere Hefemonster. Die beiden leisten uns daraufhin gute Dienste. Ich habe inzwischen mehrfach Brot gebacken, Baguette, Brötchen, Zimtschnecken und als zwischenzeitliche Krönung einen mit Creme Brûlée gefüllten Streuselkuchen.

Es klappt gut, wenn ich dem Monster genug Zeit gebe. Statt 30 Minuten ziehen lassen gerne 90 Minuten und schon geht der Teig super auf und schmeckt klasse. Nicht so gut klappt es, wenn ich zwischen den Arbeitsgängen versuche, den Drachen zu bändigen. Das Hefemonster will Aufmerksamkeit und 3h ziehen lassen führt dazu, dass der Teig am Ende wieder einfällt – nicht gut. Diesmal ist der Drachen übrigens nicht der Parasailor, der sein Dasein repariert in der Segelkiste fristet sondern ein Kite. Wir liegen hier in einem bekannten Kitesurf Spot, durch ein Riff geschützt kommen Wellen nicht in die Bucht, der Wind wird aber hineingelassen. Es gibt einen kleinen Strand, an dem wir unerlaubter Weise unsere Drachen aufbauen und Starten. Schön ist, dass wir uns alle zu einer kleinen Kitesurf Anfängergemeinschaft zusammengefunden haben. Neben Enno und mir sind das Nathan und Wyatt (SY Moonfleet), Colling (SY Recipe) sowie seid gestern auch Emily und Everett (die Kinder von den gleichen Booten). Wir unterstützen uns gegenseitig, wenn einer sein Bord verliert, bringen uns zurück, nach dem (bisher) unvermeidlichen Abtreiben und reparieren gemeinsam die geschundenen Drachen. Ich erinnere mich an meine Schulzeit, in wir gemeinsam Windsurfen waren. Das macht Spaß und wir freuen uns miteinander, wenn wir Fortschritte machen. Ok, zugegeben, ein bisschen Vergleich ist auch dabei aber die gemeinsame Freud überwiegt. Inzwischen können wir alle die Höhe halten und schaffen es, am gleichen Strand wieder anzulegen, an dem wir losgefahren sind! Das ist ein großer Schritt für uns und zumindest für mich hat es bis dahin einige Blessuren gekostet. Das Problem ist nämlich, dass man dicht an Booten vorbeifahren muss und wenn man im falschen Moment einen Fehler macht geht’s übel aus. So musste ich vorgestern meinen Kite aus dem Rigg eines deutschen Katamarans pulen, was Rigg und Kite glücklicherweise unbeschadet überlebt hatten. Dieser freundliche Landsmann hat mich allerdings 30 Minuten lang angeschrien, was mir etwas unverhältnismäßig vorkam. Seine Frau ermahnte mich, nicht hinzuhören und tatsächlich hat er sich irgendwann wieder beruhigt.

Enno hat sich leider frühzeitig aus unserer Anfängergemeinschaft entfernt und während wir uns noch gegenseitig im Nichtschwimmerbecken aus fremden Booten retten übt Enno Sprünge im tiefen Wasser (dort, wo die Profikiter rumfahren). Er würde bestimmt schon Loopings fliegen, wären nicht die Töchter des Nachbarbootes noch interessanter als das Kiten.

Enno lässt also ganze Kitetage aus und gibt uns so die Chance, Millimeterweise aufzuholen… . Wir machen allenfalls Pause, wenn wir a) einen Hangover haben (kommt regelmäßig vor nach Feiern auf Recipe), b) wir keinen Wind haben oder c) wir unserem zweitliebsten Hobby nachgehen: Kite reparieren. Ja, irgendwie halten die Dinger nicht. Wahrscheinlich liegt es an der karibischen Sonne. Insbesondere die Ventile halten nicht auf den Kiteschläuchen. Ich habe unsere 7 Ventile inzwischen 11x mal neu geklebt (!!) und mehrere Löcher geflickt. Das Ergebnis ist nun, dass der Kite ca. 1h gut die Luft hält, dann braucht er die Pumpe. Das ist ja jetzt kein Problem mehr, da ich ja einfach wieder an den Strand fahren kann (nun ja, gestern brauchte ich vier Anläufe, bis ich den Kite einigermaßen kontrolliert in Ennos Arme fallen lassen konnte…). Ich dachte, dass wir einfach Pech hatten und unser 2nd Hand Kite-Schnäppchen vielleicht doch keines war. Nachdem aber Collins neuer Kite nach dem 2. Gebrauch ebenfalls Luft durch das Ventil verlor und Nathan, der inzwischen fünf Kites gekauft hat, 2 dauerhaft in der Werkstatt hat bin ich davon überzeugt, dass die Dinger einfach empfindlich sind. Aber ab und zu ein Tag Repair-Pause ist ja auch nicht schlecht. Mein Held ist übrigens Gary: Gary fährt am Profistrand, läuft wunderbar Höhe und macht kleine Sprünge. Andere springen viel höher aber Gary ist 81 Jahre alt und hat zwei künstliche Knie! Mit dem Kitesurfen hat er im Alter von 74 angefangen. Da bin ich mit meinen 52 ein Küken und meine leichten Knieprobleme sind Kinderkram! (Meine stets um mein Knie besorgte Mutter wird sich freuen, das zu lesen 😊). Auf jeden Fall hat der Sport vielleicht doch eine Zukunft für mich, wenn ich versuche den Kite auch als Entlastung der Gelenke einzusetzen – immerhin zieht er ja auch nach oben!

Jetzt habe ich ausschweifend von Monstern und Drachen geschrieben und ihr könnt daran sehen, wie sehr wir es genießen, uns mit einfachen Dingen zu beschäftigen und Zeit zu haben. Ich werde mich nun meinem heutigen Experiment widmen: Bananenpizza. Dann ist auch das Mehl alle und wir müssen uns in Richtung einer Bucht verholen, in der man auch wieder einkaufen kann. Ach ja, die 5kg Mehl habe ich nicht allein verbraucht: Enno ist inzwischen nicht zur zum Kite-sondern auch zum Crêpes-Master avanciert. So überrascht er Nachbarboote mit spontanen Crepes-angeboten (meist süß) und erfreut uns mit herzhaften Käse-Bacon-Crepes zum Frühstück!

Leben im Paradies

Wir sind hier in einer traumhaften Bucht mit vielen coolen Kindern, die ihr ja auch schon aus Enno’s Eintrag kennt.

Obwohl auch wir jetzt Einschränkungen haben wird mir hier nie langweilig, da es immer irgendwas gibt, was man machen kann. Ich lese recht viel und bin jeden Tag mit unseren neuen Freunden am Strand. Abends treffen wir uns oft auf einem der Boote, hören Musik, gucken einen Film oder reden einfach nur über irgendeinen Schwachsinn.

Gestern habe ich als bekannter Harry Potter nerd mit Jesse( auch Harry Potter nerd) einen Harry Potter Filmmarathon angefangen.

Ansonsten geht mir meine Familie sogar weniger auf die Nerven, da auch Mama und Papa ständig mit den Eltern der anderen Boote rumhängen.

Ansonsten wars das eigentlich schon… Denn abgesehen vom Kitesurfen( Enno und Papa) machen wir nichts anderes.

Viele Grüße an alle und bleibt gesund!