An Bord!

Nach einem kurzen Aufenthalt in Bayern und einer Nacht und zwei schönen Treffen in Wien sind wir seid Dienstag in Trogir, Kroatien. Eine Stunde vor Ankunft schlug das gute Wetter um und heftiger Regen setzte ein.

Ich habe ehrlich gesagt mit vielen gerechnet, nicht aber damit, dass wir das Boot im Juli im Mittelmeer im strömenden Regen betreten. Auch nicht gerechnet hatte ich damit, dass das Boot in der allerletzten Charterwoche lauter Schäden erlitt: Der Autopilot hatte sich verabschiedet, das Getriebe der Ankerwinsch gab den Geist auf und der Schäkel des Genuafalls war gebrochen. Um das noch weiter zu toppen schlug tatsächlich der Blitz in unser Boot ein! Das gleiche Gewitter, was uns begrüßt hat war auch schon am Vortag aktiv und suchte sich unser Boot aus, was ziemlich einsam an einem Montag am Chartersteg lag. Wir hatten Glück, dass es nur die Motorerlektrik erwischt hat und Teile des Volvo-Penta Panels.

Irgendwie lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen. Das Team der Fa. Pitter, bei dem das Boot verchartert wird hatte einige Probleme schon gelöst und den Rest besprechen wir in Ruhe. Die Jungs sind extrem entspannt und wir üben uns in Gelassenheit. Den hektischen Deutschen zu spielen, der gleich alle Probleme gelöst haben will oder zumindest einen Plan machen will, wann alles gelöst wird bringt eigentlich nur schlechte Laune und beschleunigt nichts. So rückt das Pitter-Team dann auch plötzlich mit 5 Mann an, löst in Windeseile einige Probleme und verschwindet wieder. Dann ist Ruhe. Irgendwann kommt wieder jemand und es geht weiter. Ich habe einige Dinge in Deutschland bestellt, z.B. ein neues Panel für die Elektroverteilung, was einen integrierten Batteriemonitor hat, mit dem wir Ladestand sowie Lade- und Entladeströme der Batterie kontrollieren können. Leider hat das Panel so noch niemand in eine Bavaria eingebaut und ein paar Probleme müssen erst noch gelöst werden. Aber sowohl die Mitarbeiter des Herstellers als auch der Elektriker von Pitter geben sich große Mühe und irgendwie geht es voran. Inzwischen ist Samstag, der Tag des Crewwechels an einer Charterbasis. Das heißt Großeinsatz für das Pitter-Team, keine Zeit für weitere Arbeiten bei uns.

Seid Mittwoch kommt aberauch die Sonne raus und wir kümmern uns nach und nach darum, die verschiedenen Lager voll mit unserem Kram auf das Boot zu schaffen, das neu erworbene gebrauchte Schlauchboot reparieren zu lassen und auf dem Boot und unserer neuen Welt anzukommen. Wir werden frühestens Montag Trogir verlassen aber meine etwas realistischere Schätzung ist Mittwoch. Mal sehen, vielleicht kommt es ja auch anders und alles ist plötzlich ganz schnell erledigt.

Uns kommt die Verzögerung ganz recht. Wir haben alle ein Ruhebedürfnis nach der anstrengenden Abreisezeit in Berlin und wir wollen ja Zeit haben und nicht weiterhetzen. Mich hat auch der Blitzschlag beeindruckt, wie ein Warnung, die Geschichte ernst zu nehmen! Dann obsiegt der Statistiker in mir und sagt: Ein Blitzschlag ist schon sehr sehr selten aber zwei Blitzschläge in ein Boot innerhalb von einem Jahr ist wie zwei 6er im Lotto! So gesehen sind wir also erst einmal sicher 🙂 Das gleiche gilt für die Ausfälle: Alles was jetzt noch kaputt geht, geht hoffentlich in der nächsten Zeit nicht mehr kaputt und so gute Unterstützung wie hier in Trogir haben wir sonst nirgends!

Es geht los!

Ca. 2 Jahre nach der ersten Idee haben wir gestern Berlin verlassen. Noch nicht auf dem Boot sondern im voll bepackten Touran, der uns nach 9 gemeinsamen Jahren und 160.000 km in einer letzten Fahrt nach Kroatien und schließlich Montenegro bringen wird.

Vor allem Caro hat unser Haus über Wochen und Monate schrittweise vorbereitet und nachdem alle Wände noch einmal gestrichen wurden haben wir unsere Sachen in gefühlten 100 Kartons im Keller verstaut. Nun zieht eine total nette Familie für ein Jahr ein, was sich wirklich gut anfühlt.

Wie bei jedem Abschied ist auch etwas Wehmut dabei. Die letzte Zeit war sehr intensiv, wir haben noch einmal viele Freunde getroffen und mit der Aussicht alles für eine Weile hinter uns zu lassen, haben wir vieles intensiver wahrgenommen.

Nun sind wir unterwegs zum Ende des Regenbogens! Die erste Station ist Grassau in Bayern, dann besuchen wir unseren neuen Cousin bzw Neffen in Wien und dann gehts an Bord in Trogir, Kroatien!

Der Countdown läuft…

In 5 Wochen geht es los und die Spannung steigt… Es geht langsam voran, ein Problem nach dem anderen scheint sich zu lösen. Andere Aufgaben kommen dazu und in Summe scheint die ToDo-Liste nicht kürzer zu werden.

Bisher war die Reise etwas, was in weiter Zukunft, fast wie in einem anderen Leben stattfinden würde… nun wird es immer greifbarer, rückt jeden Tag näher. Dazu kommt die Erkenntnis: Es sind nicht irgendwelche anderen, die sich auf die Reise machen, es sind wir und wir werden an Bord gehen genau so, wie wir uns jetzt fühlen. Wir werden nicht viel mehr wissen, nicht viel mehr können, nicht einmal eine ganz andere Ausrüstung haben, es werden die Caro, Martin, Lennard und Enno sein, die hier am Frühstückstisch sitzen… das ist aufregend.

So langsam lichtet sich eine Baustelle nach der anderen. Wir haben mit Schulen gesprochen, das Haus ist untervermietet, die erste Wagenladung ist nach Kroatien gebracht. Es bleiben viele kleine Dinge aber irgendwann werden wir einfach losfahren, egal ob nun alles „fertig“ ist!