Unter deutscher Flagge und neuer MMSI

Seid gestern fahren wir unter deutscher Flagge. Wir haben also ein kleines Fähnchen am Achterstag aufgehängt – Seglerinnen mit mehr Nationalstolz würden es wohl für ein taschentuch halten.

Viel mehr Auswirkungen hat die damit verbundene deutsche MMSI. Da man diese im Funkgerät nur einmal einstellen kann, durften wir also schnell noch ein neues Funkgerät kaufen. Das AIS haben die Pitters glücklicherweise noch um programmieren können. Leider läuft das AIS recht eigenwillig, d.h. mal geht es, mal nicht. Keine guten Voraussetzungen für etwas, dass der Sicherheit dient aber dann wissen wir eben gleich, was wir in Italien zu tun haben. Ich habe eh das Gefühl, dass uns das Basteln weiter begleiten wird. Irgeneteas läuft immer nur fast, oder eben gar nicht.

Aber was unke ich rum. Wir haben bestes Segelwetter, 3-4 Bft, Sonne kaum Welle – besser gehts nicht!

Obwohl wir nun wirklich auf See sind stellen wir alle fest, dass wir das noch immer nicht so richtig verinnerlicht haben. Wir haben wohl alle auf den magischen Moment gewartet, wo sich plötzlich alles anders anfühlt. Ist aber nicht so. Es sind viele kleine Schritte und ich brauche bestimmt noch ein bisschen, bis sich ein anderes Lebensgefühl einstellt. Die Kinder haben zumindest mal festgestellt, dass sie nicht wissen, wie lange noch Schulferien sind – ist ja auch egal :-).

Ach ja, hier also die neue MMSI für Freunde von Marinetraffic, Vesselfinder und co: 211202550

Auf Wache!

Yes, es ist vollbracht! Wir haben Trogir verlassen und nehmen Kurs nach Süden! So sitze ich denn auf meiner ersten Wache nach dem von Lenny säuberlich entworfenen Wachplan, währen der Rest der Crew schläft. Seeluft macht müde! Vor uns liegt die erste Nachtfahrt, die erste Fahrt ohne Landsicht. Caro, Lenny und ich werden uns im 3h-Rytmus abwechseln, Enno unterstützt, unterhält, hält wach. Falls ihr euch fragt: ich tippel diesen Text auf dem Smartphone so lange ich noch Empfang habe. Leider klappt das mit den Bildern über das Smartphone noch nicht gut, die gibts dann aus Italien.

Jetzt auch mit Foto!

In den letzten Tagen war es recht hektisch. Die Jungs von Pitter haben den Hydrogenerator montiert und mit großem Einsatz alle anderen Baustellen zu Ende gebracht. Wir haben unser Dingi wieder, es ist jetzt dicht! Nur klappbar ist es nun nicht mehr… . Es liegt jetzt auf dem Vordeck und erste Tests haben bewiesen: Fahren tut es super!

Dingi-Power!!

Exkurs: Dingi

Dingi ist der Seglerfachbegriff für Schlauchboot, ein Thema, mit dem ich mich viel beschäftigt habe und dem ich hier ein kleines Kapitel widmen möchte.

Ich habe lange hin und her überlegt, was ist das richtige Boot für uns. Wir wollen zu viert + Einkauf Platz darin haben, es sollte uns auch bei stärkerem Wind und Wellen transportieren, es sollte robust und gut zu verstauen sein. Zur Auswahl stehen dann Boote mit aufblasbarem Boden, mit Alu-Einlegeböden, mit Kunststofffestboden und das alles in PVC oder in Hyperlon. Ich will mich hier nicht in Fachdiskussionen vertiefen, am Ende dachte ich zumindest, den perfekten Kompromiss gefunden zu haben:

Festrumpfboot, was in eine handliche Reisetasche passt

Ein Boot mit Festboden (Stabil, schnell, robust) und dafür mir klappbarem Spiegel, so dass wir es noch quer auf dem Boot unterbringen können. Das ganze in PVC, es muss ja nicht 10 Jahre halten sondern eigentlich nur 1 Jahr richtig gut. Als alter Einkäufer konnte ich nicht umher, nach einer gebrauchten Alternative zu dem 2.000€ teueren neuen Modell zu suchen. Und tatsächlich, ich fand ein Boot, fast unbenutzt, nur ein paar Jahre in der Garage aber gut verpackt und ohne Sonneneinstrahlung… . Der geneigte Leser ahnt böses:

ein ganz kleines, harmloses Loch…

Schon bei der Jungfernfahrt drang Wasser durch ein Loch neben dem Ventil ein. Wir dachten es einfach zu kleben, beschlossen aber dann, es zu einem Profi zu geben:

Schlauchbootprofi

Für den ziemlich heftigen Betrag von 200€ wollte uns Marin das kleine Loch flicken…

Professionell Reparatur

Ok dachten wir, das ist wenigstens etwas solides und wir haben unsere Ruhe. Leider stellten wir beim Abholen fest, dass die Reparatur zwar solide war, das Boot aber leider nicht mehr klappbar. Der Klappmechanismus ist eindeutig die Schwachstelle des Bootes aber leider essenziell für unsere Unterbringung auf der Leonardo. Nach einstündiger Diskussion teilweise mit Google-Translator erklärte sich Marin bereit, alles noch einmal zu tun.

Drei Tage später holen wir das Dingi ab, es passt wieder in die Tasche, es kann losgehen! Das tut es dann auch, leider ist die neue Kante nicht dicht und es dringt erneut Waser ein. Also wieder hin, Marin erklärt sich bereit, alles noch einmal zu reparieren. Inzwischen hatten wir auch festgestellt, dass das Boot etwas Luft verliert. Marin ist nun fertig, für weitere 60EUR wird er uns die undichten Klebestellen reparieren.

Kleber hat sich aufgelöst

Mein Superdeal entpuppte sich als ziemlicher Reinfall. Das Dingi sieht zwar aus wie neu, aber über die Jahre hat sich der Kleber gelöst. Wir werden es jetzt weiter flicken, um überhaupt mal loszukommen aber es ist absehbar, dass das nicht lange hält… .

Morgen, Montag holen wir das Dingi ab und bitte drückt uns die Daumen, dass es diesmal dicht ist! Wären wir mit dem Rest im Zeitplan, wären die ständigen Überarbeitungen gar nicht möglich gewesen. In diesem Sinne fügt es sich, dass ein paar neue Probleme aufgetaucht sind und der Abfahrtstermin morgen, Montag schon nicht mehr steht. Wir hoffen nun auf Dienstag, hoffentlich mit Dingi.

Ennos Text

Wir wollten eigentlich schon vor einer Woche losfahren aber da es viele Probleme mit dem Boot gibt sind wir immer noch da. Ich finde es nicht so schlimm weil man hier gut Skaten kann und gutes Wlan hat. Was noch ganz schön ist dass, man hier gut Baden kann 🙂

mein erster richtiger Olli 🙂

Trogir, Perle Dalmatiens

Inzwischen ist wieder Freitag, wir sind nun knapp 10 Tage in Trogir. Wir gehen zwei Schritte voran, dann gefühlt wieder einen Schritt zurück und nähern uns Stück für Stück einem abreisefertigen Zustand. Heute wurde der Kran für den neuen Beiboot-Außenborder montiert (geiles Teil mit 10 PS, was das Beiboot zum fliegen bringt :;-) ). Das neue Elektropanel läuft, die Motorelektrik ist wohl am dem Weg zu uns und vor allem sind auch alle Fragen zur Umflaggung der Schiffes von kroatischer nach deutscher Flagge geklärt.

Wir haben in etlichen Runden Vorräte und wichtige Dinge verstaut und es war ganz angenehm, dass wir dafür Zeit hatten. Alles an ein oder zwei Tagen wäre ein Albtraum gewesen. So hatten wir zwischendurch Urlaub, waren baden oder sind durch die Altstadt Trogirs flaniert, die wirklich toll ist.

Die Promenade Trogirs

Das Beiboot muss nun noch repariert werden und der Hydrogenerator montiert werden, der Rest ist Kleinkram und kann notfalls unterwegs erledigt werden. Ach ja, das Auto müssen wir noch verkaufen, aber auch dafür haben wir einen Interessenten.

Am Montag soll es dann wirklich losgehen! Wir werden in Trogir starten, in Split ausklarieren und dann in Richtung Südwesten fahren. Wir werden wohl gleich mit einem langen Schlag beginnen, Pause hatten wir erst einmal genug. Auch der Wind soll wohl mitspielen, es wäre toll, wenn wir nun wirklich in See stechen würden!

An Bord!

Nach einem kurzen Aufenthalt in Bayern und einer Nacht und zwei schönen Treffen in Wien sind wir seid Dienstag in Trogir, Kroatien. Eine Stunde vor Ankunft schlug das gute Wetter um und heftiger Regen setzte ein.

Ich habe ehrlich gesagt mit vielen gerechnet, nicht aber damit, dass wir das Boot im Juli im Mittelmeer im strömenden Regen betreten. Auch nicht gerechnet hatte ich damit, dass das Boot in der allerletzten Charterwoche lauter Schäden erlitt: Der Autopilot hatte sich verabschiedet, das Getriebe der Ankerwinsch gab den Geist auf und der Schäkel des Genuafalls war gebrochen. Um das noch weiter zu toppen schlug tatsächlich der Blitz in unser Boot ein! Das gleiche Gewitter, was uns begrüßt hat war auch schon am Vortag aktiv und suchte sich unser Boot aus, was ziemlich einsam an einem Montag am Chartersteg lag. Wir hatten Glück, dass es nur die Motorerlektrik erwischt hat und Teile des Volvo-Penta Panels.

Irgendwie lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen. Das Team der Fa. Pitter, bei dem das Boot verchartert wird hatte einige Probleme schon gelöst und den Rest besprechen wir in Ruhe. Die Jungs sind extrem entspannt und wir üben uns in Gelassenheit. Den hektischen Deutschen zu spielen, der gleich alle Probleme gelöst haben will oder zumindest einen Plan machen will, wann alles gelöst wird bringt eigentlich nur schlechte Laune und beschleunigt nichts. So rückt das Pitter-Team dann auch plötzlich mit 5 Mann an, löst in Windeseile einige Probleme und verschwindet wieder. Dann ist Ruhe. Irgendwann kommt wieder jemand und es geht weiter. Ich habe einige Dinge in Deutschland bestellt, z.B. ein neues Panel für die Elektroverteilung, was einen integrierten Batteriemonitor hat, mit dem wir Ladestand sowie Lade- und Entladeströme der Batterie kontrollieren können. Leider hat das Panel so noch niemand in eine Bavaria eingebaut und ein paar Probleme müssen erst noch gelöst werden. Aber sowohl die Mitarbeiter des Herstellers als auch der Elektriker von Pitter geben sich große Mühe und irgendwie geht es voran. Inzwischen ist Samstag, der Tag des Crewwechels an einer Charterbasis. Das heißt Großeinsatz für das Pitter-Team, keine Zeit für weitere Arbeiten bei uns.

Seid Mittwoch kommt aberauch die Sonne raus und wir kümmern uns nach und nach darum, die verschiedenen Lager voll mit unserem Kram auf das Boot zu schaffen, das neu erworbene gebrauchte Schlauchboot reparieren zu lassen und auf dem Boot und unserer neuen Welt anzukommen. Wir werden frühestens Montag Trogir verlassen aber meine etwas realistischere Schätzung ist Mittwoch. Mal sehen, vielleicht kommt es ja auch anders und alles ist plötzlich ganz schnell erledigt.

Uns kommt die Verzögerung ganz recht. Wir haben alle ein Ruhebedürfnis nach der anstrengenden Abreisezeit in Berlin und wir wollen ja Zeit haben und nicht weiterhetzen. Mich hat auch der Blitzschlag beeindruckt, wie ein Warnung, die Geschichte ernst zu nehmen! Dann obsiegt der Statistiker in mir und sagt: Ein Blitzschlag ist schon sehr sehr selten aber zwei Blitzschläge in ein Boot innerhalb von einem Jahr ist wie zwei 6er im Lotto! So gesehen sind wir also erst einmal sicher 🙂 Das gleiche gilt für die Ausfälle: Alles was jetzt noch kaputt geht, geht hoffentlich in der nächsten Zeit nicht mehr kaputt und so gute Unterstützung wie hier in Trogir haben wir sonst nirgends!

Es geht los!

Ca. 2 Jahre nach der ersten Idee haben wir gestern Berlin verlassen. Noch nicht auf dem Boot sondern im voll bepackten Touran, der uns nach 9 gemeinsamen Jahren und 160.000 km in einer letzten Fahrt nach Kroatien und schließlich Montenegro bringen wird.

Vor allem Caro hat unser Haus über Wochen und Monate schrittweise vorbereitet und nachdem alle Wände noch einmal gestrichen wurden haben wir unsere Sachen in gefühlten 100 Kartons im Keller verstaut. Nun zieht eine total nette Familie für ein Jahr ein, was sich wirklich gut anfühlt.

Wie bei jedem Abschied ist auch etwas Wehmut dabei. Die letzte Zeit war sehr intensiv, wir haben noch einmal viele Freunde getroffen und mit der Aussicht alles für eine Weile hinter uns zu lassen, haben wir vieles intensiver wahrgenommen.

Nun sind wir unterwegs zum Ende des Regenbogens! Die erste Station ist Grassau in Bayern, dann besuchen wir unseren neuen Cousin bzw Neffen in Wien und dann gehts an Bord in Trogir, Kroatien!

Der Countdown läuft…

In 5 Wochen geht es los und die Spannung steigt… Es geht langsam voran, ein Problem nach dem anderen scheint sich zu lösen. Andere Aufgaben kommen dazu und in Summe scheint die ToDo-Liste nicht kürzer zu werden.

Bisher war die Reise etwas, was in weiter Zukunft, fast wie in einem anderen Leben stattfinden würde… nun wird es immer greifbarer, rückt jeden Tag näher. Dazu kommt die Erkenntnis: Es sind nicht irgendwelche anderen, die sich auf die Reise machen, es sind wir und wir werden an Bord gehen genau so, wie wir uns jetzt fühlen. Wir werden nicht viel mehr wissen, nicht viel mehr können, nicht einmal eine ganz andere Ausrüstung haben, es werden die Caro, Martin, Lennard und Enno sein, die hier am Frühstückstisch sitzen… das ist aufregend.

So langsam lichtet sich eine Baustelle nach der anderen. Wir haben mit Schulen gesprochen, das Haus ist untervermietet, die erste Wagenladung ist nach Kroatien gebracht. Es bleiben viele kleine Dinge aber irgendwann werden wir einfach losfahren, egal ob nun alles „fertig“ ist!