Kiten ist cool!

Nach ca 2. Wochen sind wir wieder in Green Island, einer kleinen Insel vor der Ostküste Antiguas. Hier haben wir fast eine Woche vor Anker verbracht und den Kite repariert, ihr erinnert euch sicher an den letzten Blogeintrag. Inzwischen waren wir in Jolly Harbour an der Westküste und haben uns mit Wasser und Proviant eingedeckt. Von dort sind wir nach Long Island im äußeren Nordosten umgesiedelt. Es ist ein großes Privileg, dass wir so frei umhersegeln können. Ein befreundetes Boot sitzt in Martinique fest. Da dort die französische Ausgangssperre herrscht, dürfen sie weder das Boot verlassen noch Wassersport betreiben oder gar weitersegeln. Einkaufen darf eine Person mit einem Passierschein. Wir sind sehr froh, dass Antigua das anders handhabt und wir hoffen, dass es noch etwas so bleibt!

In Long Island fanden wir eine tolle Bucht, ruhig, flach mit tollen Stränden. Leider waren die Security-Kollegen dagegen, dass wir die Insel betreten, um unserer Yoga-Praxis nachzugehen. Alles privat, nix für Bootstouristen… . Zum Glück war eine kleine vorgelagerte Insel in Reichweite und statt uns aufzuregen haben wir uns dort an kleinen Vögeln und unglaublichen Muscheln am Strand erfreut. Dann der erste Kiteversuch vom Boot. Es ist uns tatsächlich gelungen, die Leinen auf dem Boot zu sortieren, mit dem Dingi zu verbinden und den Kite behutsam ins Wasser gleiten zu lassen. Enno ist dann problemlos aufgestiegen und wie der Teufel durch die Bucht gerast. Selbst wenn ich mit Vollgas in Gleitfahrt mit dem Dinge hinterherfahre, habe ich keine Chance ihn einzuholen. Leider war die Bucht welliger als gedacht, so dass Höhlaufen eher schwierig war und nach kurzer Zeit fanden wir uns weit weg vom Boot auf dem Weg zur Hauptküste Antiguas. Kiteleine eingerollt, Kite aufs Boot und dann gegen Wind und Welle zurück. Diesmal binden wir das Dingi an einem Pfahl im Wasser fest und sortieren die Leinen neu. Nun bin ich dran! Die Stelle ist superglatt, keine Welle, türkisblaues Wasser – ein Traum! Leider ist die Stelle auch vom Wind abgeschirmt und es gelingt mir erst nach vielen Anläufen, den Kite überhaupt in die Luft zu bekommen. Dass er mich dann auch noch aus dem Wasser hievt war zu optimistisch… noch30 Minuten weiterprobieren, dann Abbruch! Es ist mir etwas unangenehm, wenn mein lieber Sohn Enno mich dabei erlebt, dass ich wie ein Baserker fluche und rumschreie, weil alles nicht so klappt, wie ich mir das vorstelle. Da bin ich trotz Yoga und co noch ganz wie der 15-Jährige, der vor 35 Jahren mit seinem Windsurfbrett gekämpft hat und auf Wind und Wasser eingeschrien hat… . Nun ja, vielleicht ist es einfach so. Immerhin mache ich ja auch den gleichen Unsinn wie mit 15 und versuche mich von einem Lenkdrachen aus dem Wasser ziehen zu lassen 😊.

Wir beschließen umzuziehen und ankern nicht weit an einer anderen Insel (keine Ahnung, wie die heißt). Die ganze Ostküste Antiguas ist voller Riffe, so dass man sehr genau navigieren muss und dafür aber von den großen Atlantikwellen geschützt ist. Hier scheinen die Bedingungen optimal. Der Wind bläst mit ca. 18kn, weit und breit Platz, nur kleine Wellen. Eilig bauen wir auf und ich habe die tolle Idee, den Kite direkt vom Boot zu starten…. Der Kite fängt Wind und ich mache einen Riesensatz ins Wasser…. . Leider stellt sich dann heraus, dass zwei Leinen verdreht montiert waren, d.h. nach meinem Patentsatz kann ich nicht starten sondern wir versuchen die Leinen im Wasser zu sortieren. Wir kämpfen 30 Minuten, dann packen wir den Kite wieder aufs Boot nachdem wir selbstverständlich mindestens eine Seemeile durch die Bucht getrieben sind. Aber es war ja Platz 😊. Ach ja, Enno ergänzt: Wir haben dabei 2x die Leine im Motor des Dingis gehabt aber das haben wir ja gelöst… . Das wars erst einmal für den Tag mit den tollen Bedingungen.

Nächster Tag, neues Spiel, neues Glück!

Wir hatten eine bewegte Nacht, da wir unseren Ankerplatz primär nach den Kitekonditionen ausgesucht haben. Entsprechend lagen wir im Wind und der Windwelle. Inzwischen sind wir aber entspannter beim Ankern und wissen, dass der Anker gut hält, wenn wir ihn gut eingegraben haben und wir durch den stetigen Wind immer in der gleiche Richtung an ihm ziehen. Da lassen uns auch 25kn Wind (6 Bft) nicht nervös werden. Einzige einen Ankeralarm stelle ich ein, der wild jault, wenn wir mehr als den definierten Radius wegtreiben.

Ich stehe wie gewohnt um 06.00 Uhr morgens auf, der Wind ist plötzlich ruhig. Das gibt sich allerdings wieder und als alle einigermaßen wach sind, bläst er mit munteren 22-25kn. Also 5,5 – 6 Bft und das ist zu viel für unseren 12 m² Drachen. Wir beschließen abzuwarten und eine Runde Canasta zu spielen. Teamcanasta, Eltern gegen Kinder und wer gewinnt? Die Eltern natürlich, wir haben ja auch viel mehr Erfahrung 😊. Gegen 12h ist der Wind bei 20kn und wir beschließen einen neuen Anlauf. Diesmal starten wir genauso wie bei Ennos erstem Versuch: Akribisch sortieren wir die Leinen, lassen diese vorsichtig ins Wasser gleiten und befestigen die „Bar“ (Eine Stange an dem man die Leinen hält) am Dingi. Dann darf der Kite behutsam ins Wasser, ich gleite ebenfalls ins Wasser und starte den Kite. Kein Problem, bei 20kn Wind ist der schupps am Himmel. Dann Brett ins Wasser und Enno löst die Leine, die mich noch am Dingi hält. Eine gekonnte Bewegung des Meisters, und zupp stehe ich auf dem Brett! Hurra, das erst Fahrerlebnis mit dem Kite nach mehr als 2 Wochen basteln und sch…. . schreien! Ambitioniert versuche ich sofort Höhe zu laufen, damit ich nicht soweit abtreibe. Außerdem bemühe ich mich, den Kite hoch am Himmel zu lassen, damit sich der Druck in Grenzen hält und ich nicht wie eine Rakete übers Wasser fliege. Das alles klappt so ein bisschen, mal mehr mal weniger. Enno bleibt mit dem Dingi auf den Fersen und bringt mir das Brett zurück, wenn das beim Sturz verloren geht. Das ist eine sehr hilfreiche Sache, denn wenn man vor dem Brett im Wasser landet und der Kite einen in großer Geschwindigkeit wegzerrt ist es nahezu unmöglich, an das Brett zu kommen, was in Luv vor sich hin dümpelt. Na ja, zumindest für mich. Noch!

Nachdem ich nun auch die Bucht weitgehend durchquert habe, beschließen wir, die Rückreise anzutreten.  Was bei 15-17kn noch einfach war, ist bei 20-22kn eine ziemliche Herausforderung: Die Leinen einzurollen und den Kite auf dem Dingi zur Ruhe zu bringen. Ich erspare euch die Einzelheiten, nach 30 Minuten war es vollbracht. Wir beschließen, uns Youtube – Tutorials anzuschauen, dass muss anders gehen! Sobald der Kite sicher auf dem Dingi ist, bändigen wir ihn nachhaltig mit einem Griff zum Ventil: Pffffft, was für ein erleichterndes Geräusch! Komischerweise verspüren weder Enno noch ich Lust, es noch einmal zu versuchen und wir verlassen auch diesen gastlichen Ort. Wir durchkreuzen erneut die engen Riffe und schaukeln mit 1,5 – 2m Welle direkt von der Seite  in Richtung Green Island. Hier liegen wir nun sicher vor Anker und haben schon eine schöne morgendliche Yoga-session hinter uns. Der Wind bläst erneut mit 22kn. Einige unerschrockene Kiter ziehen ihre Runden, bestimmt mit kleinerem Tuch. Enno und Caro backen Plätzchen, Lennard liegt in seiner Kabine und singt etwas mit zu der Musik, die er mit Kopfhörer hört 😊. Vom Kiten redet gerade keiner, wir haben beschlossen, nur noch bei optimalen Bedingungen herauszugehen!

Eine Antwort auf „Kiten ist cool!“

  1. Wie schön, so viel von Euch lesen zu dürfen!
    Es bringt einen noch mehr, als je zuvor in eine andere Welt. Ihr macht das alles richtig! Geniesst in vollen Zügen!
    Wir können den Segelkurs nicht erwarten, sobald wieder möglich.
    Drücke und knutsche Euch!
    Niki

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